Reiseziel Emirate: Märchen und Realität

Tourismus ist manchmal ein zweifelhaftes Geschäft. Um Reisende anzulocken, sind Veranstalter oftmals gezwungen, über die politischen und gesellschaftlichen Zustände in so manch angepriesenem Reiseparadies einen Mantel des Schweigens auszubreiten. Die Gründe dafür sind nicht schwer zu verstehen. Wenn etwa die Salzburger Nachrichten für eine Leserreise die Werbetrommel rühren, so tun sie das verständlicherweise unter der Überschrift „Persien – Iran. Majestätisch und poetisch“ (Salzburger Nachrichten, 11. Jan. 2014); die Überschrift „Islamistische Diktatur – mörderisches Regime – massenweise Hinrichtungen an Baukränen“ würde vermutlich nur wenige Reisewillige anlocken. Ähnliches gilt auch für das Reiseziel Vereinigte Arabische Emirate. So will die Leiterin einer Hotel-Marketing-Abteilung mit der Aussage werben: „Für ein arabisches Land ist Dubai liberal, im Hotelbereich kann man sich bewegen wie zu Hause.“ (Kleine Zeitung, 11. Jan. 2014) Weniger einladend, für potenzielle Kundinnen aber vermutlich deutlich sinnvoller wäre die Warnung, dass sie in den Emiraten damit rechnen müssen, nach einer Vergewaltigung auch noch ins Gefängnis geworfen zu werden.

Genau das passierte einer norwegischen Geschäftsreisenden, die im vergangenen Juli in ihrem Hotel in Dubai von einem Geschäftspartner vergewaltigt wurde. Die Folge: Verurteilung zu 16 Monaten Haft wegen Trinkens von Alkohol und außerehelichem Geschlechtsverkehr. Erst nach massiven internationalen Protesten wurde die Norwegerin begnadigt und durfte die Emirate verlassen – wie übrigens auch der Vergewaltiger, der zwar auch verurteilt worden, dessen Strafmaß mit einem Jahr Haft aber deutlich geringer ausgefallen war. Den gleichen Horror durchlebt gerade eine Österreicherin, die in der Parkgarage eines Hotels in Dubai vergewaltigt wurde – auch ihr droht nun eine Haftstrafe, die, so raten lokale Juristen, geringer ausfalle, würde sie ihren Vergewaltiger heiraten.

Die österreichischen Medien berichten empört über den Fall. Die Kleine Zeitung, in der vor nicht einmal zwei Wochen Dubai noch als „liberales“ arabisches Land gepriesen wurde, in dem man sich in den Hotels bewegen könne „wie zu Hause“, zeigt sich jetzt entsetzt über die „Bigotterie in den Golfstaaten“. (Kleine Zeitung, 22. Jan. 2014) Und im Kurier warnt der in Abwesenheit in Dubai nach einem haarsträubenden Prozess wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilte Arzt Eugen Adelsmayr vor Reisen in die Golfstaaten: „Die Leute sehen dort nur das Disneyland“, und nicht die Diktaturen, die in den Urlaubsgebieten herrschen. (Kurier, 22. Jan. 2014)

Dabei war es just der Kurier, der sich unlängst in einer doppelseitigen Reportage auf die „Suche nach dem anderen, ursprünglichen Dubai“ machte, dabei unter anderem enthüllte, „(w)as Emirati darunter tragen“, und auch wusste, wie die Männer es schafften, ihr traditionelles Gewand „so schön weiß“ zu halten: „Ich wasche es täglich.“ Frauen hätten es besser: „Das ist bei der Abaya nicht nötig. Die Frauentracht aus Dubai ist schwarz.“ Frauen müssten die lange schwarze Bekleidung tragen, weil man durch weiße Kleider durchsehen könnte, erklärte die Touristenführerin „mit den typisch arabischen Mandelaugen“. (Kurier, 12. Jan. 2014) In gewisser Hinsicht war für den Kurier die Lage von Frauen in den Emiraten also schon vor dem aktuellen Vergewaltigungsfall ein Thema. Allerdings nur so, wie es eben üblich ist, wenn man mit Märchen aus Tausend-und-einer-Nacht Touristen zu ködern versucht.


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