Referendum: Wie sind Zustimmungsraten einzuschätzen?

„In einem Interview des Senders CNN-Türk bekräftigte Erdogan seine Kritik an Deutschland und Europa, verteidigte seinen Plan zur Einführung eines Präsidialsystem mit drastisch erweiterten Machtbefugnissen für ihn selbst und zitierte Umfragen, nach denen die Zustimmung der Wähler zu seinem Projekt kontinuierlich ansteige. Soweit war alles Routine. Doch dann ließ der 63-Jährige erstmals einfließen, dass die Abstimmung im April aus seiner Sicht auch danebengehen könnte. Die Entscheidung liege bei den Wählern, sagte er. ‚Wenn sie sagen: »Ungeeignet«, kann man nichts machen.‘ Der Satz ist aus mehrerlei Sicht bemerkenswert. So deutet Erdogan damit unter Umständen an, dass er eine Niederlage anerkennen würde. Noch interessanter ist jedoch, dass der Präsident die Möglichkeit einer Niederlage überhaupt in Betracht zieht.

Hinter verschlossenen Türen soll sich der Präsident in den vergangenen Tagen sehr unzufrieden mit der Stimmung bei den Wählern im Kurdengebiet gezeigt haben, wo die Unterstützung für Erdogans Verfassungsreform angeblich unter 40 Prozent liegt. Der frühere AKP-Umweltminister Idris Güllüce sagte der Zeitung Karar, auch in der 15-Millionen-Metropole Istanbul überwiege die Ablehnung. Die AKP sei verunsichert, schreibt der Hürriyet-Journalist Deniz Zeyrek. In der Partei herrsche nicht derselbe Optimismus wie vor den Volksabstimmungen von 2007 und 2010, die von der Erdogan-Partei gewonnen wurden. Dass Erdogan laut den meisten Umfragen am 16. April mit einer Mehrheit von rund 55 Prozent rechnen kann, gibt demnach das Stimmungsbild nicht richtig wieder. (…) Nach Einschätzung einiger Beobachter kann Erdogan den positiven Zahlen vieler Umfragen nicht trauen. Etyen Mahcupyan, ein ehemaliger Berater des von Erdogan geschassten Ex-Premiers Ahmet Davutoglu, sagte dem Wall Street Journal, viele Menschen hätten Angst davor, ihre wahre Absicht kundzutun und verschwiegen deshalb im Gespräch mit Meinungsforschern, dass sie am Wahltag mit ‚Nein‚ stimmen wollten.“ (Susanne Güsten: „Erdogan scheint nicht mehr siegessicher“)

 

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