Putin füllt das Machtvakuum im Nahen Osten

„Die Israelis und die Türken, die Ägypter und die Jordanier – alle rennen dem Kreml die Türen ein in der Hoffnung, dass Vladimir Putin, der neue Meister im Nahen Osten, ihre Interessen absichern und ihre Probleme lösen könnte. Nun hat sich der saudische König Salman diesem Strom angeschlossen. Am Mittwoch kam er nach Moskau. Es ist das erste Mal, dass ein Monarch des ölreichen Königreichs Russland besucht. Ganz oben auf der Tagesordnung wird die Eindämmung des Iran stehen. Der Iran ist ein enger Verbündeter Russlands, doch erblicken die meisten arabischen Staaten am Golf in ihm eine tödliche Gefahr. Bis vor kurzem war Washington für Machthaber wie den saudischen König die einzige Anlaufstelle. Dies änderte sich nicht zuletzt infolge des Erfolgs der russischen Militärintervention in Syrien, durch die Präsident Bashar al-Assad gestützt wurde, nachdem die USA jahrelang darauf bestanden hatten, er müsse gehen. So schwindet die Macht der Amerikaner in der Region im Moment spürbar. Die russische Intervention habe ‚die Realitäten, das Kräftegleichgewicht vor Ort verändert’, so Dennis Ross, einst Amerikas oberster Friedensunterhändler in Nahen Osten und der Berater mehrerer Präsidenten von George H. W. Bush bis Barack Obama. ‚Putin ist es gelungen, Russland zu einem Machtfaktor in Nahen Osten zu machen. Daher sehen wir einen steten Strom von Besuchern aus dem Nahen Osten in Moskau.’ (…)

Während des Kalten Kriegs hatte Moskau im Nahen Osten erhebliches Gewicht und bewaffnete die arabischen Staaten gegen Israel. Diese Machtstellung brach mit dem Kommunismus zusammen. Als die USA den Irak eroberten, um Saddam Hussein zu stürzen, stand Russland außen vor und konnte nicht mehr tun als protestieren. Das Blatt begann sich 2013 zu wenden, als die USA unter Obama beschlossen, Assad nicht anzugreifen. Zwei Jahre später entsandte Putin Truppen und Kampfflieger, um Assad zu schützen. Die Verbündeten Amerikas vor Ort waren größtenteils dem Sturz Assads verpflichtet. Dass die US-amerikanische Militärmacht nicht eingesetzt wurde, um ihn zur Aufgabe zu zwingen, hat sie desillusioniert. Russlands Gewicht in der Region ist gewachsen, ‚weil Obama das zugelassen hat’, so Khaled Batarfi, ein Professor am Campus der Alfaisal-Universität im saudi-arabischen Jeddah. ‚Bedauerlicherweise zog er sich weitgehend aus dem Nahen Osten zurück.’ (…)

Die meisten Verbündeten Amerikas im Nahen Osten begrüßten den Wechsel des US-amerikanischen Präsidenten und Donald Trumps scharfe Rhetorik gegen den Iran. Doch bislang hat er sich eng an die Syrienpolitik seines Vorgängers gehalten und sich darauf konzentriert, den Islamischen Staat und nicht Assad zu bekämpfen. In dem Maße, in dem das Ziel eines Regimewechsels in Syrien in den Hintergrund getreten ist, haben sich die Prioritäten verschoben. Die Saudis und andere arabische Golfstaaten drängen Russland, die Rolle des Iran in Syrien zu reduzieren, wo die Hisbollah und andere schiitische Milizen mit iranischer Unterstützung die Stoßtrupps für Assads Offensive stellen. (…) Einer dem Kreml nahestehenden Person zufolge wird Putin seine Haltung dem Iran gegenüber jedoch nicht ändern, um den Wünschen der Saudis entgegenzukommen.“ (Henry Meyer / Donna Abu-Nasr: „Putin Is Filling the Middle East Power Vacuum“)

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