Oppositionelle Türken in Deutschland haben Angst

„Als am Sonntagabend beflaggte Autos durch den Kreisverkehr am U-Bahnhof Kottbusser Tor in Berlin rollen, ein junger Mann aus dem Schiebedach ‚Evet, Evet‘ schreit, liegt Rezal blass im Bett. Ihren Namen möchte sie nicht sagen, so wie alle, die hier erzählen. Aus Angst. Rezal ist Alevitin und arbeitet in einem Spätkauf in der Nähe. Sie kann die ganze Nacht nicht schlafen. Wie sie fürchten viele Deutschtürken die Folgen dieser Wahl. Aus Angst sind auch in Deutschland einige von ihnen gar nicht erst wählen gegangen. Doch das Hupen und die Schreie der Erdoğan-Anhänger haben ihre Geschichten übertönt. (…)

Viele Gegner der Verfassungsänderung sind in Berlin leise geworden; sie sehen stumm zu, wie am Sonntagabend Autokorsos an ihnen vorbeiziehen. Gegen 23.20 Uhr fährt ein beflaggter Korso aus etwa zehn Autos die Adalbertstraße entlang. Ein junger Mann streckt seinen Oberkörper aus einem Schiebedach, er küsst eine Türkeifahne und zeigt mit der anderen Hand das Zeichen der Grauen Wölfe, einer türkischen rechtsextremen Gruppe. Als am U-Bahnhof Kottbusser Tor der neue Tag anbricht, sind die ‚Evet, Evet‘-Schreier weg. Rezal ist wieder bei der Arbeit, hinter der Theke des Spätkaufs. Sie sorgt sich um ihre alevitische Familie in der Türkei. Sie hat Angst vor Übergriffen.“ (Isabell Beer: „Die Türkei ist jetzt geteilt. Irgendwo wird es platzen“)

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