Neue Allianzen im Nahen Osten?

„[U]nbestreitbar ist, dass alle jahrelangen Bemühungen um einen Kompromissfrieden zwischen Israelis und Palästinensern auf direktem Verhandlungsweg erfolglos geblieben sind. Obamas Politik, Israel unter Druck zu setzen, um ihm einseitige Zugeständnisse wie einen vollständigen Siedlungsstopp abzuringen, war absehbar zum Scheitern verurteilt. Sie heizte nur unrealistische Erwartungen der palästinensischen Führung an und gab ihr ein Alibi dafür, sich direkten Verhandlungen ohne Vorbedingungen mit dem jüdischen Staat hartnäckig zu verweigern. In Wahrheit war das Haupthindernis für echte Friedensgespräche nicht der israelische Siedlungsbau, sondern die chronische Dysfunktionalität der palästinensischen Führung. (…)

Es ist daher tatsächlich an der Zeit, die Voraussetzungen für eine israelisch-palästinensische Friedenslösung von Grund auf zu überdenken. Vieles spricht dafür, dass sie erst möglich wird, wenn sich das Umfeld in der Region gewandelt hat. Erst wenn sich die arabischen Staaten ernsthaft auf den Weg der Modernisierung und Humanisierung ihrer Gesellschaften begeben und das Feindbild Israel begraben, mit dessen Hilfe sie stets vom eigenen Versagen ablenkten, kann es auch bei den Palästinensern zu einem Mentalitätswandel kommen. Die doppelte Herausforderung durch die iranische Expansion und den verheerenden Dschihadismus könnte der arabischen Welt tatsächlich den entscheidenden Anstoß in diese Richtung geben. Doch das sind langfristige Aussichten. Schnelle Lösungen für den israelisch-palästinensischen Konflikt wird es daher nicht geben. Als realistische Option bleibt einstweilen nur der Versuch, die beiderseitigen Beziehungen auf pragmatische Weise graduell zu verbessern.“ (Richard Herzinger: „Im Nahen Osten bildet sich eine überraschende Allianz“)

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