Mord an französischer Jüdin doch als antisemitisch eingestuft

„Französische Juden haben die Entscheidung der Pariser Staatsanwaltschaft verhalten begrüßt, den Mord an der jüdischen Rentnerin Sarah Halimi, die in Paris alleine in einer Sozialwohnung lebte, als antisemitische Gewalttat einzustufen. Die Entscheidung der Staatsanwaltschaft wurde vergangene Woche bekannt gegeben. Sie stützte sich auf Befragungen des 27jährigen Kobili Traore, der für die Tötung Halimis verantwortlich ist, durch den Psychiater Dr. Daniel Zagury. In den frühen Morgenstunden des 4. April brach Traore – der Dr. Halimi gegenüber zuvor bereits antisemitische Bemerkungen gemacht hatte – in ihre Wohnung ein, begann sie wütend zu verprügeln und brüllte unterdessen islamistische Parolen. Polizisten, die vor Ort eintrafen, während Halimi misshandelt wurde, dachten Berichten zufolge, es handele sich um einen Terroranschlag, und schritten nicht ein, um Halimi zu retten. Sie wurde schließlich aus einem Fenster ihrer im dritten Stock gelegenen Wohnung geworfen und überlebte den Angriff nicht. Zagury gab an, Traores Angriff auf Halimi sei zugleich eine ‚antisemitisch’ motivierte und eine ‚im Wahn’ begangene, durch seinen massiven Marihuanagebrauch geprägte Tat gewesen. Allerdings betonte Zagury, Traore sei zum Tatzeitpunkt definitiv nicht berauscht genug gewesen, um als unzurechnungsfähig zu gelten. Letzteres war eine Behuptung der Anwälte Traores gewesen.

Die Vertretung der französischen Juden CRIF erklärte, sie sei angesichts der Nachricht, die vergangenen Mittwoch zufällig am Vorabend des jüdischen Neujahrfests bekannt wurde, ‚erleichtert’ und ‚befriedigt’. Wenn ein Richter der Empfehlung des Staatsanwalts folge, so CRIF-Präsident Francis Kalifat, dann ‚muss der Prozess gegen den Mörder auch ein Prozess gegen den Antisemitismus sein, der in Frankreich mordet’. Ein Anwalt der Halimi-Familie, Gilles-William Goldnadel, wies darauf hin, er habe durchgängig argumentiert, dass der Mord als antisemitisches Verbrechen behandelt werden müsse. Nach mehr als zweimonatiger psychiatrischer Begutachtung wurde Traore am 10. Juli des ‚spontanen Totschlags’ und der ‚Entführung’ angeklagt, doch wurde der antisemitische Aspekt des Mordes ignoriert. (…) Der Staatsanwalt hänge ‚sein Fähnlein nach dem Wind’, kritisierte Traores Anwalt Thomas Bidnic mit Blick auf die öffentliche Entrüstung über Halimis Ermordung, die von den französischen Medien zunächst fast vollständig ignoriert wurde aus Sorge, eine allzu ausgedehnte Berichterstattung könne die Wahlchancen der rechtsextremen Kandidatin Marin Le Pen verbessern, die dann in der Stichwahl vom 7. Mai von dem Zentristen Emmanual Macron entscheidend geschlagen wurde.“ (Ben Cohen: „Brutal Murder of French Jewish Pensioner Sarah Halimi Motivated by ‘Antisemitism,’ Paris Public Prosecutor Concludes“)

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