Irak: Menschenversuche mit Giftgas

Von Thomas von der Osten-Sacken

Geht es um ihr ach so geliebtes Giftgas und andere Massenvernichtungswaffen, sind sie sich alle gleich, ob panarabisch oder islamistisch ausgerichtet, die Tyrannen, Henker und Despoten des Nahen Osten. Und Menschenversuche mit Giftgas, die hat es im Irak zuvor auch schon gegeben, nämlich unter Saddam Hussein. Da viele hochrangige Anhänger des gestürzten irakischen Diktators sich dem IS angeschlossen haben und in den Rängen der Jihadisten hohe Posten einnehmen, würde es kaum verwundern, es wären einige unter ihnen, die ihr Wissen über Bio- und Chemiewaffen mit nach Mosul genommen haben.

„Als sie in den befreiten Teilen Mosuls Spuren der IS-Herrschaft sicherten, machten irakische Soldaten eine schreckliche Entdeckung. In der Universität der Stadt stießen sie auf Akten, die Gift-Experimente an Gefangenen dokumentieren. Die Menschenversuche fanden unter ärztlicher Aufsicht statt – überlebt haben die Opfer die Torturen nicht. Offenbar wollte die Terrororganisation mit den Tests Möglichkeiten für Chemikalien-Anschläge in Europa ausloten. Britische und amerikanische Experten, so berichtet die britische Zeitung The Times, hätten die Echtheit der gefundenen Papiere bestätigt.

Bei den Experimenten sollen Gefangenen zwei verschiedene Chemikalien verabreicht worden sein: Thallium(I)-sulfat kam bis in die 1970er-Jahre als Rattengift zum Einsatz, eine weitere, auf Nikotin beruhende giftige Substanz, wurde aus Zigaretten gewonnen. Die menschlichen Versuchsobjekte seien einen qualvollen Tod gestorben, teils nach wenigen Stunden, teils nach Tage andauerndem Leiden.“

Über ähnliche Versuche mit biologischen und chemischen Waffen unter Saddam Hussein berichtete die Times 1998:

„Bei einem Vorfall sollen iranische Kriegsgefangene gefesselt und durch Bakterien aus einem in der Nähe gezündeten Geschoss getötet worden sein. Andere wurden in einer Kammer dem Kampfstoff Anthrax ausgesetzt, das aus einer Sprühdose eingeführt wurde, während Ärzte durch eine Glasscheibe zusahen. Zu den Leitern des Programms gehören zwei in Großbritannien ausgebildete Wissenschaftler (…)

Quellen im israelischen Militärgeheimdienst zufolge wurden 10 iranische Kriegsgefangene an einen Ort nahe der irakischen Grenze zu Saudi-Arabien gebracht. Dort wurden sie an Pfosten gefesselt und hilflos zurückgelassen, während eine Anthraxbombe in etwa 15 Meter Entfernung ferngezündet wurde. Sie erlitten alle einen schmerzhaften Tod durch innere Blutungen. Bei einem anderen Experiment wurden 15 kurdische Gefangene auf einem Acker angebunden und dann Geschosse mit dem relativ milden Kamelpocken-Virus von einem Kleinflugzeug auf sie abgeworfen. Die Ergebnisse stellten sich langsamer ein, doch wurde der Test als Erfolg bewertet. Die Gefangenen erkrankten innerhalb einer Woche. Irakischen Quellen zufolge wurden einige der grausamsten Untersuchungen in einer unterirdischen Einrichtung in der Nähe des südlich von Bagdad gelegenen Salman Pak durchgeführt.

Dort wurden den Quellen zufolge biologische und chemische Wirkstoffe zunächst an Hunden und Katzen und dann an iranischen Gefangenen erprobt. Die Gefangenen wurden in einer eigens hierfür eingerichteten Kammer an ein Bett gefesselt. Dann wurden tödliche Wirkstoffe, darunter auch Anthrax, durch eine Hochdruckvorrichtung an der Decke in die Kammer geleitet. Das medizinische Personal beobachtete die Ergebnisse durch eine Panzerglasscheibe. Die Einzelheiten der Experimente waren nur Saddam und hochrangigen Regierungsbeamten und im Westen ausgebildeten irakischen Wissenschaftlern in seinem unmittelbaren Umfeld bekannt. (…) Die Einrichtung, die offenbar in den 1980er Jahren von deutschen Ingenieuren errichtet wurde, steht Quellen beim israelischen Militär zufolge seit mehr als einem Jahrzehnt im Mittelpunkt der irakischen Experimente mit ‚menschlichen Versuchskaninchen’.“

Artikel zuerst erschienen auf Jungleblog.

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