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Wie Israel Vorurteile gegen Staatsbürger äthiopischer Herkunft bekämpfen will

Von der Redaktion Times of Israel

Kabinettsmitglieder prüfen neuen Bericht eines hochrangigen Ausschusses über Maßnahmen zur Bekämpfung der Diskriminierung von äthiopischen Israelis.

ethopian israelPremierminister Benjamin Netanjahu wurde vor einer Woche ein umfassender Regierungsbericht über Möglichkeiten zur Bekämpfung von Rassismus gegen Israelis äthiopischer Herkunft überreicht. Zu den Empfehlungen gehören die Einführung dunkelhäutiger Puppen in Kindergärten und die Weiterbildung israelischer Lehrer über die Geschichte der äthiopischen Juden. Der Bericht wurde von einem interministeriellen Ausschuss unter der Leitung der Generaldirektorin des Justizministeriums, Emi Palmor, erstellt. Gegründet wurde der Ausschuss als Antwort auf die jüngsten öffentlichen Straßenproteste von äthiopisch-israelischen Aktivisten gegen das, was sie als wachsende Vorurteile bezeichnen, denen sie sich in der israelischen Gesellschaft ausgesetzt sehen.

Vor dem Hintergrund der Beschwerden äthiopischer Israelis über die sich verstärkende Brutalität der Polizei und die Benachteiligung von Mitgliedern der Gemeinschaft rückte das Problem im vergangenen Jahr in den Mittelpunkt. Angestachelt durch ein Video, das einen anscheinend grundlosen Polizeiübergriff auf einen äthiopisch-israelischen Soldaten im April 2015 zeigt, veranstaltete die Gemeinschaft eine Reihe von Demonstrationen im ganzen Land. Tausende gingen auf die Straßen und forderten die Regierung auf, sich mit dem mutmaßlich systematischen und institutionalisierten Rassismus zu befassen, dem die äthiopisch-israelische Gemeinschaft gegenübersteht. Aktivisten brachten zudem ihre Frustration darüber zum Ausdruck, dass der Staat ihrer Meinung nach zu wenig auf die sozialen und wirtschaftlichen Bedürfnisse ihrer Gemeinschaft eingeht. Im Mai 2015 wurden während einer Demonstration auf dem Rabin-Platz in Tel Aviv mindestens 41 Personen bei einem Stunden dauernden Handgemenge verletzt. Dabei schleuderten Demonstranten Steine auf Polizisten, die mit Blendgranaten und Wasserwerfern antworteten.

Der jüngste Bericht steht am Ende monatelanger Beratungen infolge der Spannungen des letzten Jahres. Er besteht aus 53 detaillierten Empfehlungen für die Bewältigung des Rassismus-Problems in der israelischen Gesellschaft, die vor allem im Bildungssystem angewendet werden sollen. Der Bericht soll in jenem von Netanjahu geleiteten Ausschuss aus Kabinettsmitgliedern diskutiert werden, der ihn in Auftrag gegeben hat und der den ziemlich umständlichen Namen trägt: The Ministerial Committee for the Advancement and Integration in Israeli Society of Israelis of Ethiopian Origin (Ministerausschuss für die Förderung und Integration von Israelis äthiopischer Herkunft in die israelische Gesellschaft): „Im Ministerausschuss hörten wir herzzerreißende und haarsträubende Geschichten über die Diskriminierung von äthiopischen Israelis“, sagte Netanjahu in einer Stellungnahme, „und wir haben uns entschieden, gegen den Rassismus vorzugehen“. Er versprach, vor dem Hintergrund des Berichts „weitere Schritte“ einzuleiten. Rassismus, so Netanjahu, „passt nicht zu unserem Land, unseren Bürgern und unserer Nation“. Berichten zufolge – darunter Netanjahus eigene Pressemitteilung – werden die Minister alle 53 Empfehlungen annehmen.

Laut der Tageszeitung Jedi’ot Acharonot, die über eine Kopie des Berichts verfügt, befragte der Ausschuss zahlreiche äthiopisch-jüdische Funktionäre und Aktivisten und erfuhr von ihnen, dass ihnen Rassismus häufig in Form von wohlmeinenden Beamten aus dem Sozial- und Bildungswesen begegnet. Zu den von den äthiopischen Israelis genannten Beispielen gehören gemäß des Berichts auch die zahlreichen Situationen, in denen das Potenzial schwarzer Kinder nicht beachtet wird oder sie sogar in Sonderschulklassen gesteckt werden, sowie die verhältnismäßig hohe Anzahl an schwarzen Kindern, die aus Familien geholt werden, in denen es zu häuslichen Konflikten kommt. Das Gefühl der Befangenheit ist mittlerweile in weiten Teilen des Alltags zu spüren. Äthiopische Eltern berichten, dass ihnen oft weiße Eltern begegnen, die ihre Kinder nicht an außerschulischen Aktivitäten mit äthiopischen Kindern teilnehmen lassen. Der Ausschuss prüfte zudem Zahlen, die zeigen, dass Sozial- und Strafverfolgungsbeamte es bisher nicht vermochten, sich zielführend mit der hohen Kriminalitätsrate unter den äthiopischen Jugendlichen zu befassen.

Die Hauptempfehlungen des Ausschusses konzentrieren sich darauf, Vorurteile bereits in jungen Jahren zu beseitigen, vor allem in Kindergärten und Grundschulen. Der Ausschuss ruft Schulen dazu auf, sich mit Büchern über Kinder aus vielen verschiedenen Kulturen und mit unterschiedlichen Hautfarben auszustatten und sicherzustellen, dass die Kinder mit dunkelhäutigen Puppen und Figuren spielen. Zudem fügt er hinzu, dass Schulen daran arbeiten müssten, äthiopisch-israelische Pädagogen als Lehrer und Schulleiter einzusetzen. Der Ausschuss deckte außerdem auf, dass das Bildungsministerium derzeit über kein systematisches Weiterbildungsprogramm für Lehrer, Schulleiter und Ministeriumsmitarbeiter verfügt, das sie im Erkennen von und im Umgang mit Rassismus schult. Er empfiehlt Kurse für Pädagogen, in denen sie sowohl ihre eigenen Vorurteile als auch die Geschichte und das Erbe des äthiopischen Judentums erforschen.

Shlomit Brahno, Mitglied des Palmor-Ausschusses und Berater des Oppositionsführers und Knessetmitglieds Jitzchak Herzog, sagte gegenüber Jedi’ot Acharonot, „die Umsetzung des Berichts wird dabei helfen, die Vertrauenskrise“ zwischen der äthiopisch-israelischen Gemeinschaft und der Regierung „zu überwinden und die Risse in unserer Gesellschaft zu schließen“. Palmor selbst sagte, die „breite Unterstützung, die der Bericht in den Regierungsministerien und in den Behörden erfährt, die an seinem Entwurf beteiligt waren, sowie unter führenden sozialen Aktivisten, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass er wirklich etwas verändern wird“.

Auf Englisch zuerst erschienen in der The Times of Israel.

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