Mena-Exklusiv

Obama macht sich in Nahost zum Werkzeug der Russen

Von Alexander Gruber

Vor einigen Wochen war auf The Daily Beast über vermehrte Hinweise zu lesen, dass Russland damit begonnen habe, die Hisbollah aufzurüsten und Raketen, Anti-Panzerwaffen sowie anderes Kriegsgerät an die schiitische Terrororganisation zu liefern. Aktuell macht die libanesische Nachrichtenplattform NOW News mit einem Bericht auf, der die enge Kooperation zwischen russischen Streitkräften und den Einheiten der Hisbollah bestätigt.

So hätten russische Spezialeinheiten die libanesische Miliz und syrische Regierungstruppen bei deren Vorstößen in den Bergen nördlich der Küstenstadt Latakia unterstützt:

„‚Special forces from the Russian army equipped with Howitzer artillery, supported by warplanes and backed by elite units from Lebanon’s Hezbollah … have been entering the fiercest of battles in the heights and towns of Latakia,‘ sources in the Damascus joint operations room of the ‚4+1‘ military coalition of Russia, Iran, Iraq, Syria and Hezbollah told Al-Rais newspaper’s chief international correspondent, Elijah J. Magnier. The sources said that it was likely that ‚through intensive use of howitzer batteries and artillery, the Russian formations are inflicting much greater losses to personnel and infantry than the losses the Russian Air Force is inflicting.‘“

Russland bot nicht nur Artillerieunterstützung für die syrischen Truppen und ihre libanesischen Verbündeten, sondern laut der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) nahmen auch russische Bodentruppen an der Offensive teil:

„Russian army officers have been overseeing the Syrian regime’s offensive in the mountains northeast of Latakia, where pro-Assad forces have been advancing against beleaguered rebels. On Wednesday, one day after Syrian army troops backed by Hezbollah and National Defense Force (NDF) militiamen routed rebels from Salma, the SOHR said that Russian officers were supervising the regime’s military operations center for the Jabal al-Akrad front. In turn, Lebanon’s Al-Akhbar newspaper—which supports the Syrian regime—confirmed that Russian officers were present near the front-lines in the northwest of the country. ‚Russian officers visited the Salma front accompanied by a number of Syrian army officers and toured a number of sectors on the way to Salma,‘ a field source told the daily. The Qatari-owned Al-Jazeera, in another report on developments in the area, cited opposition activists as saying that Russian officers in the field had ‚directed the Tuesday morning assault on Salma.‘ An undated video also circulated social media showing a Russian officer allegedly observing the battles outside Salma alongside members of the local NDF militia.“

Die russische Militäroffensive in Syrien wird demnach zusehends ausgeweitet, wobei sich zugleich eine antiwestliche Allianz mit dem iranischen Regime, dem letztlichen Befehlshaber der schiitischen Hisbollah, immer deutlicher herauszubilden beginnt – mit dem Ziel, den syrischen Diktator Assad zu stützen und den Einfluss der USA und ihrer Verbündeten im Nahen Osten weiter zurückzudrängen.

Das militärische Engagement schlägt sich denn auch politisch nieder: Für den zunehmenden Einfluss, den Russland und der Iran auf die Geschehnisse in Syrien gewinnen, sprechen Berichte von Anfang dieser Woche aus dem Umfeld der syrischen Opposition. Laut diesen setzte der US-Außenminister die Assad-Gegner zunehmend unter Druck, bereits im Vorfeld der Verhandlungen die Vorbedingung der beiden mit dem syrischen Diktator verbündeten Staaten zu akzeptieren: die Etablierung einer Regierung der nationalen Einheit unter Beteiligung des jetzigen Regimes. So habe John Kerry Zustimmung zu einem von den Iranern ausgearbeiteten Vier-Punkte-Plan für Syrien signalisiert, damit zugleich die bisherige offizielle Position der Obama-Administration aufgegeben und Assad das prinzipielle Recht zugestanden, auch weiterhin die politischen Geschicke Syriens zu leiten.

The terms Kerry reportedly asked the opposition Saudi-backed High Negotiation Committee (HNC) to accept — including a ‚national unity government‘ instead of a transitional governing body that would phase Syrian President Bashar al-Assad out of power — represent ‚a scary retreat in the US position,‘ opposition sources told the head of Al Hayat’s Damascus bureau, Ibrahim Hamidi. According to translations provided by multiple Middle East analysts on Twitter, Kerry told the opposition delegation that, based on an ‚understanding‘ he had reached with Russian Foreign Minister Sergei Lavrov, Assad has the right to run for reelection and there will be no set timetable for his departure.“

Die syrische Opposition beschuldigte Kerry denn auch umgehend, der Erfüllungsgehilfe der iranischen Interessen in Syrien zu sein. Kerry wiederum sah sich angesichts der Entwicklungen gezwungen, den Regimegegnern mit der Entziehung der US-amerikanischen Unterstützung zu drohen, sollten sie ihre Ankündigung wahrmachen, die geplante Friedenskonferenz unter diesen Umständen zu boykottieren: Die Verhandlungen von Genf – so sie denn überhaupt wie geplant starten werden – sind endgültig zu der gefährlichen Farce verkommen, die sie de facto immer schon waren.

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