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Russland gesteht unabsichtlich den Einsatz von Streubomben in Syrien ein

Von Thomas von der Osten-Sacken

russia todayDen Verdacht gab es schon länger: Immer wieder warfen syrische Oppositionelle der russischen Luftwaffe vor, Streubomben in Syrien einzusetzen. Als sich vergangenes Jahr Hinweise dann verdichteten, dass diese international geächteten Waffen, über Wohngebieten in Nordsyrien abgeworfen wurden, gab die US-Administration ihre sonst übliche Zurückhaltung gegenüber den russischen Militäreinsätzen auf und warf Russland vor, Streumunition gegen Zivilisten einzusetzen.

Denn auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte einen Bericht vorgelegt, in dem ein Angriff auf die Ortschaft Kafr Haleb mit Streumunition dokumentiert wurde: „Der Angriff auf Kafr Halab fällt zeitlich zusammen mit einer Serie von Video- und Fotoberichten von Luft- und Bodenangriffen in den Regierungsbezirken Aleppo, Hama und Idlib, bei denen Streumunition eingesetzt wurde und die sich seit Beginn der russischen Luftangriffe in Syrien am 30. September ereigneten.“

Das russische Dementi folgte auf dem Fuße: „Der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, bezeichnet diese Mutmaßung als ‚absurde Erfindung‘. ‚Es entsteht der Eindruck, dass unsere amerikanischen Kollegen sich im Rahmen ihres Krieges gegen die Terrorgruppe IS noch immer nicht auf die Ziele festgelegt haben.‘“

Damit hatte sich, wie so oft in Syrien, das Thema erledigt. Die Bombardements gehen weiter, es wird gestorben und gelitten und nichts weiter geschieht.

Dann allerdings besichtigte am 18. Juni Moskaus Verteidigungsminister den Luftwaffenstützpunkt Khmeimim, von dem aus die russische Luftwaffe ihre Einsätze fliegt. Mit dabei natürlich ein Kamerateam des Senders Russia Today (RT), das auch gleich einen Filmbericht über die Visite online stellte. Dumm nur, dass da ein Pilot zu sehen ist, der vor zwei dieser Streubomben an seinem Flugzeug herumhantiert. Zwar bemerkte man in den Redaktionsstuben von RT das Malheur und änderte umgehend den Beitrag. Allerdings etwas zu spät:

 

Doch nicht nur Streubomben werden von der russischen Luftwaffe auf syrische Städte abgeworfen, seit einiger Zeit verbreiten sich auch Bilder und Filme über den Einsatz von weißem Phosphor. Im Internet kursierende Bilder zeigen auch die fürchterlichen Verbrennungen, die die Opfer dieser Angriffe erlitten haben.

Russia is breaching international conventions by dropping incen­diaries similar to white phosphorus on to residential neighbourhoods in the Syrian city of Aleppo in what is thought to be the prelude to a ground assault to retake the city from rebel forces. Photographs have shown what experts believe to be a thermo­baric bomb, the most powerful explosive apart from a nuclear weapon, being detonated next to urban areas, with potentially devastating effects for civilians. Video footage shows the glowing showers of what is thought to be thermite raining down on a rebel-held suburb in the west of the city and starting huge fires.

Was jetzt geschehen wird? Vielleicht protestiert ja das US-State Department. Und irgendwer wird vermutlich eine Petition bei change.org lancieren. Ein europäischer Außenminister wird, sollte er die Zeit finden, auch noch erklären, dass er sehr besorgt sei und nur Diplomatie diesen Konflikt lösen könne. Wer dagegen die Angriffe in Syrien verletzt überlebt, braucht auf medizinische Versorgung nicht zu hoffen, denn wenn die Russen gerade keine Streumunition oder Phosphor abwerfen, dann greifen sie auch gezielt Krankenhäuser an, wie jüngst erst Amnesty International kritisierte:

The latest string of attacks on health facilities north of Aleppo appears to be part of a pattern of attacks on medics and hospitals, a strategy that has destroyed scores of medical facilities and killed hundreds of doctors and nurses since the start of the conflict. The organization has gathered compelling evidence of at least six deliberate attacks on hospitals, medical centres and clinics in the northern part of the Aleppo Countryside governorate in the past 12 weeks. The attacks, which killed at least three civilians including a medical worker, and injured 44 more, continue a pattern of targeting health facilities in various parts of Syria which amounts to war crimes.”

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