Mena-Exklusiv

Presseagentur verschleiert palästinensischen Terror

Von Florian Markl

„Seit Oktober des Vorjahres wird der Nahe Osten von einer Gewaltwelle erschüttert, bei der mehr als 200 Palästinenser und etwa 30 Israelis getötet wurden.“ (APA, 13. Mai 2016) Mit diesem Satz aus einer Aussendung zur Israel-Reise von Außenminister Kurz schaffte es die österreichische Presseagentur ein weiteres Mal, eine Meldung so zu verfassen, dass sie zwar nicht glatt falsch, aber dennoch so irreführend ist, dass sie die Realität auf den Kopf stellt.

Zweifelsohne ist der gegenwärtige Nahe Osten durch ein Übermaß an Gewalt geprägt – man blicke nur auf den Krieg in Syrien, in dem bereits mehrere hunderttausend Menschen getötet wurden. Aber das meint die APA nicht, wenn sie vom „Nahen Osten“ spricht: Bei ihr schrumpft die Region regelmäßig auf den israelisch-palästinensischen Konflikt zusammen, geraten die tausenden Menschen, die seit vergangenem Oktober in Syrien, im Irak oder im Jemen ums Leben gebracht wurden, aus dem Blickfeld. „Erschüttert“ werde „der Nahe Osten“ demnach nicht durch die Fassbomben des Assad-Regimes oder die Halsabschneider des Islamischen Staates, sondern nur durch eine sehr spezifische Gewalt – jene nämlich, „bei der mehr als 200 Palästinenser und etwa 30 Israelis getötet wurden.“


Verzerrung der Realität

Auch wenn diese Zahlen stimmen, entstellen sie doch die Wirklichkeit bis ins Unkenntliche. Wer es nicht besser wüsste, müsste nach Lektüre der APA-Meldung von einer Vielzahl gegenseitig verübter Gewalttaten ausgehen; anhand der Zahlenverhältnisse müsste man darüber hinaus annehmen, dass die Mehrzahl in Angriffen von Israelis auf Palästinenser bestanden hätte. Das trifft freilich nicht zu. In der Realität war die „Gewaltwelle“ eine höchst einseitige Angelegenheit von hunderten palästinensischen Angriffen, bei denen einzig und allein nicht noch mehr israelische Opfer zu verzeichnen waren, weil die Attentäter oftmals ausgeschaltet werden konnten, bevor sie noch mehr Unheil anrichten konnten.

Erneut verschleierte die APA also den Umstand, dass die angesprochene „Gewaltwelle“ in Wahrheit eine Serie palästinensischer Terrorattacken ist, der keinerlei entsprechende israelische Anschläge gegenüberstehen. Indem sie die Zahl der ums Leben gekommenen Israelis und Palästinenser ohne jede weitere Erläuterung gegenüberstellte, verschwieg die APA einmal mehr, dass es sich beim Großteil der getöteten Palästinenser um Attentäter handelte, die sich aufgemacht hatten, um Juden zu töten. Und schließlich drängt sich zum wiederholten Male die Vermutung auf, dass für diese verzerrenden Formulierungen nicht allein sprachliches Unvermögen verantwortlich sein kann.

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