Mena-Exklusiv

War Erdogan schon als Student seiner Zeit voraus …?

Von Thomas von der Osten-Sacken

Eigentlich läuft alles ganz prima für den türkischen Präsidenten: Die parlamentarische Opposition ist ausgeschaltet oder paralysiert; aus den eigenen Reihen hat er alle entfernt, die sich noch irgendwie kritisch hätten äußern können; die Europäer kooperieren wie nie zuvor, schließlich könnte die Türkei ja wieder ihre Grenzen für syrischen Flüchtlinge öffnen und die eigenen Leute bereiten das Land schon mal auf eine nahöstliche Ein-Mann Herrschaft vor:

„Nach Meinung eines Beraters des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sollte Politik allein dem Präsidenten vorbehalten bleiben. ‚Es ist nicht notwendig, dass jemand anders Politik ausübt‘, sagte Erdogan-Berater Yigit Bulut am späten Dienstagabend im Staatssender TRT Haber. Erdogan betreibe sowohl Innen- als auch Außenpolitik. ‚Unsere Aufgabe in diesem Land ist, den Anführer zu unterstützen‘, sagte er.“

Alles läuft also  eigentlich wie geplant, wäre da nicht immer noch die türkische Verfassung, die man eben nicht an einem Tag, sondern nur Stück für Stück aushebeln kann. Und mit der gibt es mal wieder ein kleines Problem, das in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) so zusammengefasst wird:

„Das türkische Staatsoberhaupt hat neben dem Besitz des Bürgerrechts laut der Verfassung noch zwei weitere Bedingungen zu erfüllen: Er oder sie muss älter als 40 Jahre sein. Zudem schreibt Artikel 101 der Verfassung eine akademische Ausbildung von mindestens vier Jahren vor. Recep Tayyip Erdogan genüge dem zweiten Kriterium nicht, stellte der türkische Verband der Hochschulprofessoren (Univder) kürzlich fest. Der amtierende Präsident besitze kein Universitätsdiplom, zitierte die Nachrichtenagentur AFP den Verband. Demnach soll Erdogan seine Studien nach ‚zwei bis drei‘ Jahren abgeschlossen haben.

Idris Baluken von der oppositionellen Demokratischen Partei der Völker (HDP) hat in einem parlamentarischen Vorstoß nun acht Fragen an den Bildungsminister gerichtet. Der Abgeordnete verlangt Aufschluss darüber, wie es zu erklären sei, dass die Wahlkommission Erdogan einen Studienabschluss im Jahre 1981 bescheinigt habe, obgleich die von ihm besuchte Marmara-Universität in Istanbul erst 1982 gegründet und das im Diplom genannte Institut erst 1983 in diese Hochschule integriert worden sei.

Man braucht sich bloß zwei Seiten im Internet anzusehen und wird feststellen, ja, da besteht dringender Änderungsbedarf. Denn auf der offiziellen Repräsentation des türkischen Präsidenten heißt es: „He (Erdogan) received his graduation diploma from Marmara University’s Faculty of Economics and Administrative Sciences in 1981.” Nur schreibt genau jene Marmara Universität über ihre eigene Geschichte:

The institution became known as the Istanbul Economic and Commercial Sciences Academy in 1959; in 1982, with regulations that were carried out, the institute became officially known as Marmara University and took its place among Turkish Institutes of Higher Education.

In the 1982 – 1983 academic year, education began at Marmara University, which consisted of 9 faculties, 1 school, 1 institute. Today, the number of faculties is 16, the number of schools is 9, and there are 11 institutes. The number of currently operating associate and degree courses at the university is 199.”

Vermutlich dürfte es inzwischen ein wenig zu spät sein, die Einträge auf zumindest einer der beiden Seiten anzupassen, ohne dass dies groß auffiele. Und auch Erdogans Diplom dürfte einen gröberen Mangel aufweisen: Ist es doch von Prof. Dr. Orhan Oguz unterzeichnet, der laut Wikipedia aber erst seit 1982 für die Marmara Universität tätig war.

 

Erdogan Diplom

Erdogan Diplom

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