Mena-Exklusiv

Ein antisemitischer Krieg steht bevor – und die Welt sieht wieder weg

Von Fred Maroun

Seit dem Ende des zweiten Libanonkrieges 2006 gibt es zunehmend Anzeichen, dass ein dritter Libanonkrieg vor der Tür steht. Die englische Zeitung The Independent prophezeit, er werde „verheerend“ sein. Wie bei allen früheren arabischen Kriegen gegen Israel liegt die Hauptmotivation im Antisemitismus; anders als bei den meisten dieser Kriege gibt es nicht einmal den Hauch eines nicht-antisemitischen Motivs. Für den Libanon gibt es weder wirtschaftliche noch geopolitische Vorteile zu erringen. Dieser Krieg wird viele weitere Israelis und Araber zum Opfer haben und zu unbeschreiblichen Verwüstungen führen, alles auf dem Altar des Antisemitismus und zu keinem erkennbaren Nutzen.


Kein anderer Grund als Hass

Die Hisbollah hat keinen glaubhaften Grund für ihre fortgesetzte militärische Aufrüstung gegenüber Israel. Die winzigen „Schebaa-Farmen“ an der Grenze zu Israel müssen in der Regel zur Rechtfertigung herhalten, sind jedoch, wie ich bei Gatestone aufgezeigt habe, nur eine Ausrede.

Als weitere Rechtfertigung wird oft Rache für die beiden vorherigen Libanonkriege angeführt, aber das ist pure Heuchelei. Keiner der beiden Kriege hätte stattgefunden, hätte der Libanon nicht als Basis für Terroristen – erst der PLO, dann der Hisbollah – für Angriffe auf Israel gedient. Der Libanon sollte die Schuld an diesen Kriegen bei sich selbst suchen, bevor er sie Israel zuweist.

Die libanesischen Terroristen rühmen mitunter auch ganz opportunistisch die Sache der Palästinenser. Es wäre jedoch naiv anzunehmen, die Libanesen seien von brüderlichen Gefühlen für das palästinensische Volk bewegt. Sogar Al Jazeera, wohl kaum israelfreundlich eingestellt, räumt ein, dass Palästinenser im Libanon schlecht behandelt werden. „Die Palästinenser leben noch immer in den 12 von den UN verwalteten Lagern und 42 weiteren sogenannten Sammelstellen überall im Libanon. Der Libanon ist ihre Heimat; jede Chance jedoch, wirklich Teil der Gemeinschaften zu werden, in denen sie leben, wird ständig durch strenge Gesetze zum Schutz der Rechte der libanesischen Bürger, der allgemeinen Sicherheit und des Gemeinwohls unterminiert.“ Die Libanesen würden nicht einmal ihre besseren Jobs mit den Palästinensern teilen, geschweige denn, ihr Leben ändern.

Die antisemitische Motivation der Hisbollah jedoch wird nirgends deutlicher als in ihren eigenen Worten. Wie die Jerusalem Post berichtet, „sagte der stellvertretende Führer der Bewegung Naim Qassem, die Geschichte der Juden habe gezeigt, dass sie ungeachtet des zionistischen Abkommens ein Volk böswilliger Vorstellungen seien. Nasrallah sagte unterdessen, Gott habe den Juden die Blasphemie ins Herz gelegt.“


Hochpeitschen des Hasses

Jedem arabischen Krieg gegen Israel geht ein Hochpeitschen des Hasses auf eine Stufe über dem üblichen, in der arabischen Welt geförderten antisemitischen Hass voraus. Während das unglaubliche, auf Israel gerichtete Arsenal der libanesischen Terroristen bereits Hinweis genug ist, ist das Hochpeitschen des Hasses vielleicht ein noch stärkerer Hinweis darauf, dass die Hisbollah es kaum abwarten kann, einen weiteren Krieg mit Israel anzufangen und dass sie ihre Leute auf die Opfer vorbereitet, die für den Kampf gegen die verhassten Yahudi (Juden) vonnöten sind.

Wie die Jerusalem Post berichtet, haben libanesische Terroristen eine „Reihe feindlicher Symbole” nahe der Grenze zu Israel aufgepflanzt, darunter ein Bild Ajatollah Khomeinis mit der Aufschrift „Wir kommen“ auf Hebräisch und Arabisch.

Abscheulichster und widerwärtigster Ausdruck ist wahrscheinlich eine Anschlagtafel, die die Tötung von Israelis feiert. „In Metulla [Israel] gibt es eine Gedenkstätte für die 12 israelischen Soldaten, die beim Selbstmordanschlag des 10. März 1985 ums Leben kamen, während direkt hinter der Grenze eine große Anschlagtafel das Massaker feiert.“

Als Libanese schäme ich mich zutiefst für den erschreckenden Hass, der von meinem Geburtsland ausgeht; mir ist jedoch auch klar, dass wir als libanesisches Volk der Verantwortung nicht aus dem Weg gehen können. Wo immer wir auch leben, jeder Libanese ist verpflichtet, das Wort zu ergreifen.


Die Verantwortlichen

Natürlich ist die Hisbollah der Gegner, der den Krieg anstrebt und als solcher der Hauptverantwortliche. Neben Israel betrachtet eine Reihe von Ländern und Ländergruppen die Hisbollah oder zumindest deren militärischen Flügel als Terrororganisation: die Arabische Liga, Australien, Bahrain, Kanada, die Europäische Union, Frankreich, der Golf-Kooperationsrat, die Niederlande, Neuseeland, Großbritannien und die USA. Aber keine dieser Nationen oder Organisationen versucht, die libanesischen Terroristen daran zu hindern, Israel anzugreifen. Großbritannien gestattete es diesen Terroristen sogar, in seiner eigenen Hauptstadt aufzumarschieren und die Vernichtung Israels zu fordern.

Ein Beteiligter, der die Verantwortung nicht von sich weisen kann, ist die libanesische Regierung, und somit auch das libanesische Volk. Es ist dafür verantwortlich, was auf seinem eigenen Territorium geschieht. So ist für alle Angriffe, die vom Libanon ausgehen, auch wenn diese nicht von der eigenen libanesischen Armee organisiert wurden, die libanesische Regierung verantwortlich. Libanesische Politiker unterstützen die Aufwiegelung zum Hass gegen Israel oft ebenfalls und unterstützen so die Terroristen moralisch. Schon bald nach seiner Wahl zum Präsidenten verteidigte Michel Aoun den Terrorismus der Hisbollah mit den Worten: „Solange die libanesische Armee nicht stark genug ist, Israel zu bekämpfen … glauben wir an die Notwendigkeit ihres [der Hisbollah] Bestehens.“

Die vorrangige Verantwortung jedoch liegt beim terroristischen Regime des Iran, das die libanesischen Terroristen finanziert und mit Waffen versorgt. Obwohl die Hisbollah in hohem Maße eine libanesische Organisation ist, die von ihrem eigenen Hass auf Israel angetrieben wird, ist sie auch ein Stellvertreter des Iran und wäre ohne den Iran weit weniger gefährlich, auch wenn die Hisbollah bei der libanesischen Bevölkerung große Unterstützung genießt. Der Iran hat jedoch bei der Unterstützung der Hisbollah freie Hand. Nach Unterzeichnung des Nuklearabkommens mit den USA, Großbritannien, Frankreich, China, Russland und Deutschland wird der Iran sogar als einigermaßen respektabel angesehen.

Da das Nuklearabkommen mit dem Iran nicht forderte, dass der Iran seine Unterstützung des Terrorismus einstellt, kommt auch den sechs Nationen, die dieses Abkommen unterzeichnet haben, ein gewisses Maß an Verantwortung für den bevorstehenden Krieg zu. Barack Obama, David Cameron, Francois Hollande, Xi Jinping, Vladimir Putin, Angela Merkel und ihre Regierungen haben nicht versucht, die Entschlossenheit des terroristischen Regimes, den jüdischen Staat anzugreifen, einzudämmen, sondern haben stattdessen die wirtschaftlichen Vorteile des Handels mit dem Iran gewählt.

Sogenannte Friedensgruppen verweisen mit ihren Namen auf ihre Abscheu gegenüber dem Krieg; dennoch sind sie fleißig dabei, Israel anzuprangern, das Land, das Opfer des Krieges würde. Die Hisbollah anzuprangern, die Seite, der es nach Krieg gelüstet, scheint ihnen jedoch fernzuliegen. Zu diesen sogenannten Friedensgruppen zählen Act Now to Stop War and End Racism (ANSWER), CODEPINK: Women for Peace und Jewish Voice for Peace (JVP), die von der Anti-Defamation League zu den 10 bedeutendsten israelfeindlichen Organisationen in den Vereinigten Staaten gezählt werden.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen stellte in Resolution 1701 fest: „Der eindeutige Weg vorwärts lag in der Entwaffnung und Auflösung der Hisbollah und anderer Milizen sowie der Ausübung der Staatsgewalt durch den Libanon über alle seine Gebiete“, jedoch haben weder die Vereinten Nationen noch der Sicherheitsrat irgendetwas getan, um diesen Weg durchzusetzen. Im Gegenteil. Seit 2006 hat die UN-Generalversammlung zahlreiche Resolutionen gegen den jüdischen Staat (20 allein im Jahr 2016) verabschiedet, keine einzige jedoch gegen die libanesischen Terroristen.


Juden wieder einmal aus ihren Häusern vertrieben

Hier haben wir die Situation eines drohenden Krieges allein aufgrund von antisemitischem Hass, der von allen, die die Hisbollah beeinflussen oder eindämmen können, leicht verhindert werden kann. Und doch erfolgen keine wesentlichen Anstrengungen zu dessen Vermeidung. Weder durch Russland, noch durch die libanesische Regierung, noch durch die Vereinten Nationen und noch nicht einmal durch diejenigen, die die Hisbollah als Terrororganisation betrachten. Israel bleibt nur, sich darauf vorzubereiten – und es erwägt zum ersten Mal die Evakuierung von Zivilisten, wenn der Krieg ausbricht.

Die Vorstellung von Juden, die von antisemitischen Horden aus ihren eigenen Häusern vertrieben werden, sollte jeden bis ins Mark erschüttern. Es geschähe nicht im Europa der Nazis, sondern im unabhängigen Staat Israel, innerhalb der international anerkannten Grünen Linie. Es geschähe nicht 1943, sondern weit im einundzwanzigsten Jahrhundert.

Trotz der militärischen Macht Israels werden Juden getötet, einige vertrieben und viele terrorisiert werden. Die Medien der Welt werden grauenvolle Bilder toter Araber zeigen und das Recht des jüdischen Staates auf Selbstverteidigung infrage stellen. Der jüdische Staat wird von selbsternannten „Friedens“aktivisten dämonisiert werden, die ihn für den Tod von Arabern verantwortlich machen werden, den Israel mit allen Mitteln bis an den Rand des Suizids zu verhindern versucht. Krawallmacher werden durch die Straßen Europas und Amerikas marschieren und verlangen, die Führer des jüdischen Staates einzusperren. Von ihren gemütlichen Sofas aus werden Politiker über Verhältnismäßigkeit schwadronieren, ehe sie die Selbstverteidigung Israels mit Hilfe des UN-Sicherheitsrates kippen.

1943 haben die Alliierten keine Eisenbahnlinien bombardiert, über die Juden in Vernichtungslager gebracht wurden. 2015 verurteilte der Papst diese Untätigkeit, mehr als sieben Jahrzehnte zu spät. 2017 bietet sich die Gelegenheit, es besser zu machen, aber eigentlich hat sich nicht viel geändert. Wenn Juden angegriffen werden, nur weil sie Juden sind, sieht die Welt wieder weg.

Fred Maroun ist Kanadier arabischer Abstammung, der bis 1984 im Libanon gelebt hat. Der Artikel ist auf Englisch zuerst in der Times of Israel erschienen.

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