Mena-Exklusiv

Die Beziehungen der Türkei zur Hamas

Erdogan - MeshalSehr geehrte Presse-Redaktion,

in seinem Artikel über „Erdogans umstrittene islamistische Freunde“ geht Martin Gehlen unter anderem der Frage nach, wie die Türkei zur terroristischen Hamas steht. Im betreffenden Abschnitt seines Artikels ist darüber dann aber erstaunlicherweise so gut wie nichts zu finden. Relativ ausführlich widmet Gehlen sich der Erstürmung eines Schiffs einer „Hilfsflotte“, die 2010 die (Teil-)Blockade des Gazastreifens durchbrechen wollte, durch die israelische Marine, bei der „neun türkische Aktivisten“ ums Leben kamen.

Er erwähnt dabei nicht, dass sich an Bord der erstürmten „Mavi Marmara“ Dschihadisten befanden, die zuvor in Videobotschaften ihre Bereitschaft festgehalten hatten, im Dschihad gegen Israel zu sterben und die israelischen Soldaten beim Entern des Schiffes mit Messern, Metallknüppeln und ähnlichen Waffen attackierten.

Gehlen lässt ferner unerwähnt, dass die (von der Türkei zumindest geduldete) „Hilfsflotte“ von einer islamistischen Gruppierung organisiert worden war, der Verbindungen zu Terrororganisationen wie der al-Qaida nachgesagt werden, und die wegen ihrer Unterstützung der Hamas u.a. 2010 in Deutschland verboten wurde – im Kontext des gegen die türkische Regierung gerichteten Vorwurfs der Terrorunterstützung ein nicht ganz unbedeutendes Detail.

Vor allem aber geht Gehlen mit keinem Wort auf die seit Jahren bekannten direkten Verbindungen der Türkei zur Hamas ein: Spitzenfunktionäre der Terrororganisation treffen sich immer wieder mit führenden Repräsentanten der Türkei (wie Präsident Erdogan) und werden auf Veranstaltungen der regierenden AKP mit Jubelstürmen und israelfeindlichen Sprechchören empfangen. In der Türkei ansässige Hamas-Kader widmen sich, unbehindert von türkischen Behörden, der Planung und Organisation von Terroranschlägen gegen Israel. Neben dem Gazastreifen soll sich das zweite Hauptquartier der Hamas heute in der Türkei befinden.

Sind das nicht Informationen, die zumindest erwähnt werden sollten, wenn man den Anspruch erhebt, den Beziehungen der Türkei zur Hamas nachzugehen?

Mit freundlichen Grüßen,
Mag. Florian Markl
Mena Watch – der unabhängige Nahost-Thinktank

2 Gedanken zu „Die Beziehungen der Türkei zur Hamas

  1. nussknacker56

    Im Kölner Stadtanzeiger, der sich bekanntlich für keine israelfeindliche Hetze zu schade ist, wurde heute (18.8.) ebenfalls ein Artikel von Gehlen abgedruckt, der über weite Strecken identisch ist. Allerdings setzt dieser sogar noch was drauf oder lässt pragmatisches israelisches Handeln unter den Tisch fallen – wäre interessant zu wissen ob das in der „Presse“ entschärft wurde oder der KStA eine zugeschnittene „brutalere“ Version erhalten hat.

    (Zu Hamas:)
    Presse: „…und pflegte über Jahrzehnte ein gutes Verhältnis zu Israel.“
    KStA: „… und pflegte über Jahrzehnte ein gutes Verhältnis zu Tel Aviv.“
    Presse: „Ausgelöst durch die massiven israelischen Luftangriffe begann sich in der politischen Führung der Türkei das Blatt zu wenden.“
    KStA: „Ausgelöst durch die unverhältnismäßig brutalen israelischen Luftangriffe begann sich in der politischen Führung der Türkei das Blatt zu wenden.“
    Presse: „Demnach bleibt die Blockade des Gazastreifens durch Israel bestehen, die Türkei kann jedoch künftig humanitäre Hilfe für die 1,5 Millionen eingepferchten Bewohner leisten. Lieferungen aus der Türkei müssen im Hafen von Aschdod gelöscht und von dort auf dem Landweg nach Gaza transportiert werden. Obendrein will Israel den Angehörigen der getöteten türkischen Aktivisten 20 Millionen Dollar Schadensersatz überweisen. Im Gegenzug verpflichtet sich die Türkei, alle laufenden und künftigen Klagen gegen israelische Soldaten zu annullieren.“
    KStA: Dieser Absatz wurde weggelassen.

    (Zu Ägypten:)
    Presse: „Wütend beschuldigte Erdoğan Israel, hinter dem Putsch zu stecken, was Israel als „absurd“ und die USA als „anstößig, unbegründet und falsch“ zurückwiesen.“
    KStA: Dieser Absatz wurde weggelassen.

    1. f.markl Beitragsautor

      Wäre in der Tat interessant zu wissen, ob Gehlen seine Sprachwahl im Vorhinein an das jeweilige Medium anpasst, oder ob die Redaktionen Ver- bzw. Entschärfungen vorgenommen haben.

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