Mena-Exklusiv

Nahost: Das Spiel der Potentaten

Von Thomas von der Osten-Sacken

maliki assadFast genau sieben Jahre ist es her, da trat der damalige irakische Premierminister an die Öffentlichkeit und war dem syrischen Präsidenten Bashar al Assad vor, dass die überwältigende Mehrheit aller ausländischen Terroristen im Irak über Syrien ins Land kämen:

„‚Ninety percent of terrorists from different Arabic nationalities infiltrated Iraq through Syrian territory,’ Maliki said during a visit by the Turkish Foreign Minister Ahmet Davutoglu, aimed at cooling the row. Relations between Iraq and Syria deteriorated after Baghdad alleged Damascus was harbouring leaders behind a truck bomb attack on its finance ministry, followed within minutes by a similar attack on the foreign ministry. (…)

Last week, Iraq recalled its ambassador in Damascus and Syria retaliated within hours by withdrawing its envoy from Baghdad. Maliki also insisted that Damascus ‚expel the terrorists, Baathists and Takfiris (extremists) who take Syria as a base to launch criminal activity inside Iraq’ and said without that there would be no progress.”

Auch wenn Assad damals abstritt was Maliki ihm vorwarf – heute streitet er ab, chemische Waffen oder barrel bombs in seinem Land einzusetzen –, waren die Beweise, die nicht nur die irakische Regierung sondern auch die USA damals vorlegten, erdrückend. Gefangen genommene Jihadisten und Ex-Baathisten gestanden damals vor laufender Kamera, wie sie mit Hilfe des syrischen Geheimdienstes über die Grenze gebracht wurden, der syrische Journalist Hassan Hassan, der aus einer der Grenzstädte kommt, erinnert sich, welch reger Betrieb dort herrschte.

Dann brachen der arabische Frühling und in seiner Folge auch die Aufstände in Syrien aus. Und ab 2012 kämpften jene Jihadisten, die einst mit Hilfe des syrischen Regimes in den Irak kamen, in Syrien selbst und es war Premier Nouri al-Maliki, der – mit Hilfe des Iran – ganze irakische Milizbataillone ins Nachbarland entsendete, um dort seinem Amtskollegen Assad zu helfen, dem er ein paar Jahre zuvor noch so lautstark vorgeworfen hatte, den Terror im Irak maßgeblich zu unterstützen.

So ist der Nahe Osten und so wird er bleiben, solange sich nichts grundlegend ändert. Und es funktioniert, denn die Assads werden alles tun, um an der Macht zu bleiben, schließlich wissen sie, dass, sollten sie ihren Präsidentensessel verlieren, entweder der Galgen oder eine Gefängniszelle auf sie warten; dafür haben sie jahrelang selbst gesorgt. Und letztlich geht es all den diversen gescheiterten Potentaten all der gescheiterten Staaten in der Region, jenseits aller ideologischer Differenzen, nur um eines: Am Ruder zu bleiben, koste es was es wolle. Und was stört da das Geschwätz von gestern, als man als den noch als Terroristen bezeichnete, der schon kurze Zeit später zum engen Verbündeten im Kampf gegen den Terrorismus wedren sollte.

Aber anstatt ausgelacht zu werden, weil ihre Strategie so durchsichtig wie destruktiv ist, können diese Potentaten seit Jahrzehnten miterleben, wie sich ihr Vorgehen bewährt. Denn in allen westlichen Hauptstädten spielt man ihr Spiel mit. Und so müssen heute syrische Oppositionelle daran erinnern, was etwa Nouri al-Maliki vor sieben Jahren Assad vorwarf, denn anderswo wird es offenbar nicht erinnert.

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