Marokko: Gesetz definiert uneheliche Kinder als „Bastarde“

marokko_uneheliche_kinder„Unverheiratete schwangere Mädchen und junge Frauen in Marokko leben in einer Tabuzone. Sex vor der Ehe gilt als Verletzung der Familienehre. Viele werden von ihren Familien verstoßen. Vom Staat können sie keine Hilfestellung erwarten. Die Frauenrechtlerin Aicha Ech-Chenna versucht, diesen Frauen zu helfen und so das System zu verändern. (…) Die 76-jährige Frauenrechtlerin ist marokkoweit bekannt, sie kämpft seit über 30 Jahren für unverheiratete Mütter. In ihrer Nichtregierungsorganisation ‚Frauensolidarität‘ können die Mädchen bleiben; werden drei Jahre lang in Berufen ausgebildet, erhalten Lohn, ein Dach über dem Kopf und Betreuung für ihre Kinder. Auch wenn für die Kinder und Mütter gesorgt ist, bleibt das Leben für sie schwer, sagt Aicha Ech-Chenna. Festgeschrieben durch das Gesetz: ‚Der Artikel 446 sagt: Ein Kind, das in Unzucht geboren wurde, wird als Bastard angesehen und muss Bastard bleiben, selbst wenn der Vaterschaftstest positiv war und der Vater sein Kind anerkennt. Und das ist heute immer noch Gesetz. Im Jahr 2016!‘

In der Schule, der Universität oder beim Job – überall, wo die Geburtsurkunde vorgezeigt werden muss, bleibt erkennbar, wer unehelich geboren wurde. So werden diese Kinder ihr Leben lang diskriminiert. Selbst wenn der Vater sein Kind anerkennt, muss er keinen Unterhalt zahlen und sich nicht kümmern. Das führe oft dazu, erzählt Ech-Chenna, dass diese Kinder auf der Straße landen, sich prostituieren, Ärger machen oder sich umbringen. Andere – vor allem Jungs – entwickelten einen Hass gegen ihre Mütter oder Frauen im Allgemeinen. Ein Teufelskreis. Gegen den man ankämpfen könne, sagt Ech-Chenna. Zum Beispiel mit Prävention. Richtige sexuelle Aufklärung das sei der Schlüssel, findet sie. Die findet in Marokko von staatlicher Seite überhaupt nicht statt.“

(Dunja Sadaqi: „Unverheiratete Schwangere in Marokko. Leben im gesellschaftlichen Abseits“)

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