Libyen stellt für Migranten notwendiges Übel dar

„Italiens Küstenwache steht vor einem unruhigen Sommer. In den kommenden Monaten dürften täglich mehrere tausend Migranten die gefährliche Überfahrt von Libyen in das rund 300 Kilometer entfernte Italien versuchen. Mehr als 54 000 Migranten sind seit Jahresbeginn bereits an Italiens Küste angekommen, 45 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. (…) Der rapide Anstieg geht wesentlich auf die chaotische politische Lage in Libyen zurück. Dem Land fehlt eine stabile Führung, weite Teile werden von bewaffneten Milizen kontrolliert, verschiedene Regierungen stehen in Konkurrenz zueinander. Für die gut organisierten Schlepperbanden, die die Überfahrten in den oft maroden und überfüllten Booten organisieren, ist das ein ideales Geschäftsumfeld. Für die Migranten stellt Libyen derweil angesichts fehlender Alternativrouten ein notwendiges Übel dar. (…)

In den vergangenen Wochen wiesen mehrere internationale Organisationen auf die katastrophalen Lebensbedingungen der Migranten in Libyen hin. Mehrere tausend werden in Gefangenenlagern festgehalten. Der Uno-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi zeigte sich nach einem Besuch eines entsprechenden Lagers in der Hauptstadt Tripolis unlängst schockiert über die ‚entsetzlichen Bedingungen‘. Die Hilfsorganisation Médecins sans Frontières berichtet von überfüllten Zellen, schlimmen sanitären Bedingungen und Mangelernährung unter den Gefangenen, die zum Teil tagelang nichts zu essen bekämen. Bereits Anfang Mai hatte der Internationale Strafgerichtshof (ICC) angekündigt, Ermittlungen zu Verbrechen gegenüber Flüchtlingen in dem nordafrikanischen Land zu prüfen. Libyen sei ein «Marktplatz für den Handel mit Menschen» geworden, sagte die Chefanklägerin Fatou Bensouda. ‚Verbrechen wie Tötungen, Vergewaltigungen und Folter sind in den Lagern mutmaßlich alltäglich.‘ Auch die Internationale Organisation für Migration (IOM) wies unlängst darauf hin, dass in Libyen inzwischen regelrechte ‚Sklavenmärkte‘ existierten, auf denen Migranten gekauft und danach oft missbraucht und zu harter Arbeit gezwungen würden.“ (Fabian Urech: „Bis zu 300 000 Migranten an Italiens Küste erwartet“)

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