LGBT-Magazin in Jordanien nach Angriff durch Muslimbrüder geschlossen

„LGBT-Aktivisten in Jordanien sind Diffamierungen und Drohungen ausgesetzt, seitdem eine Abgeordnete der Muslimbruderschaft erklärte, Homosexualität sei in dem Land nicht willkommen. Jordanier äußerten sich im Juli in den sozialen Medien, nachdem ein Streit auf Twitter zwischen My Kali – einem örtlichen LGBT-Onlinemagazin – und der Abgeordneten Dima Tahboub – die die Islamic Action Front, den politischen Arm der Muslimbruderschaft in dem Land, den englischsprachigen Medien gegenüber vertritt – eskaliert war. Vergangene Woche erklärte Tahboub, My Kali sei geschlossen worden, nachdem sie beim jordanischen Medienrat wegen der Lizenz des Magazins nachgefragt habe.

In einem auf Medium veröffentlichten offenen Brief an Tahboub erklärte My Kali, es sei für mehr als ein Jahr gesperrt worden, und spekulierte über die Motive der Abgeordneten. ‚Von unserem Standpunkt aus sieht es so aus, als versuche sie, sich als Heldin darzustellen: als die Abgeordnete, die eine LGBT-freundliche Plattform in Jordanien zugemacht hat’, erklärte der Gründer und Kreativdirektor von My Kali Khalid Abel-Hadi Middle East Eye gegenüber. My Kali begann als ein Tagebuch, in dem Abdel-Hadi seine Erfahrungen dokumentierte und entwickelte sich in eine Basisplattform für die LGBT-Community, bevor es 2008 ein Onlinemagazin wurde. Tahboub erklärte, ihr Vorgehen spiegele ‚die allgemeine Kultur in Jordanien’ wider und fügte hinzu: ‚Viele Leute haben mir Nachrichten und E-Mails geschickt, in denen sie mein Vorgehen begrüßen.’ Sein 1951 verabschiedetes Strafgesetzbuch machte Jordanien zur ersten Monarchie in der Region, in der Homosexualität entkriminalisiert wurde. Zuvor waren gleichgeschlechtliche Handlungen unter der Strafgesetzgebung der britischen Mandatsmacht verboten. (…)

In einem Interview mit dem örtlichen Fernsehsender Roya führte Tahboub weiter aus: ‚Wir betrachten Schwule von einem moralischen und religiösen Standpunkt aus. Sie sind eine Gruppe, die vollkommen abgelehnt wird; sie sind unserer Religion und Tradition und den kulturellen Normen des jordanischen Volks fremd.’ (…) In Amman, der Hauptstadt des Landes, gibt es einige diskrete LGBT-freundliche Cafés doch trotz einiger Nischen der Akzeptanz lehnt die jordanische Gesellschaft sexuelle Freiheiten, die über die akzeptierten Normen hinausgehen, größtenteils ab. ‚Jordanien ist wie jedes andere Land im Nahen Osten und Nordafrika. Es gibt jede Menge voreingenommene Bürger, die sich bemüßigt fühlen, Dich darauf hinzuweisen, dass Du anders bist’, sagte Abel-Hadi. In einem 2016 veröffentlichten Bericht über Onlinesicherheit schrieb Abdel-Hami, der auch Onlinesicherheits-Seminare organisiert, dass die örtlichen Medien zum Teil verantwortlich seien. ‚Die andauernde Verknüpfung von LGBT-Menschen mit Drogen, Sexskandalen und Prostitution verstärkt das weitverbreitete Image der LGBT-Menschen als Abweichler.’ (…) Aktivisten zufolge werden LGBT-Menschen regelmäßig schikaniert, erpresst und Opfer von Gewalt, doch wird dies selten angezeigt, weil viele die Konsequenzen fürchten, sollten sie geoutet werden. (…) Rahman [einer Autorin von My Kali] zufolge biete die Justiz wenig Schutz. ‚Homosexualität ist zwar nicht verboten, aber so richtig erlaubt ist sie auch nicht’, erklärte sie MEE gegenüber. Es sei auffällig, dass LGBT-Menschen nicht zu den Minderheiten gehörten, die unter dem Schutz des jordanischen Gesetzes stünden. Das Land habe auch keine internationale Vereinbarung zur Wahrung der Rechte von LGBT-Menschen unterzeichnet.“ (Olivia Cuthbert: „Jordan activists targeted after MP says gay people unwelcome“)

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