Kurdische Verbände in Syrien verlangen Korridor zum Mittelmeer

„Seit dem Beginn der Offensive auf Raqqa ist die Zusammenarbeit amerikanischer Truppen mit vorwiegend kurdischen SDF-Verbänden nicht nur stärker geworden, sondern sie wurde auch deutlicher demonstriert. Das Pentagon – und damit auch das Weiße Haus – setzt weiterhin auf die syrischen Kurden als Bodentruppen, um in Syrien einen Erfolg gegen den Islamischen Staat zu erzielen. Im Irak kämpfen zwar auch US-Bodentruppen mit den irakischen Streitkräften, aber die bestehen zu einem wichtigen Teil aus schiitischen Milizen, die mittlerweile offiziell ins Militär eingegliedert wurden, während aus Bagdad immer wieder der Ruf ertönt, dass die US-Soldaten das Land nach der Einnahme von Mosul verlassen sollen. Dagegen scheinen die USA sich stärker und langfristig in dem von den Kurden kontrollierten Teil Syrien positionieren zu wollen, obgleich dies immer wieder zu Konflikten mit der Türkei führt. Aus der Türkei wurde schon gedroht, dass schon auch einmal zufällig Bomben auf US-Soldaten fallen können, die SDF-Verbände begleiten. US-Soldaten patrouillieren in gepanzerten Fahrzeugen an der syrisch-türkischen Grenze, um die Türkei von einer Invasion abzuschrecken, die aber schon mit Luftangriffen auf kurdische Ziele nicht nur in Afrin, wo die Russen die Schutzmacht darstellen, sondern auch in Royava begonnen hat. (…)

Nach Berichten verlangen die Kurden von den USA im Gegenzug für die Offensive auf Raqqa, dass ihr Gebiet ausgeweitet wird und ein Handelskorridor vom Mittelmeer in die kontrollierten Gebiete eingerichtet wird. Bis nach Afrin könnte dies durch vom syrischen Regime kontrollierte Gebiete geschehen, was noch prinzipiell denkbar erscheint, da Damaskus und die Kurden sich gegenseitig geduldet haben und Russland auch mit den Kurden kooperiert. Aber ein Korridor von Afrin nach Rojava dürfte kaum machbar sein. (…) Alle diese Bestrebungen, inklusive der Eroberung von Raqqa, das dann unter kurdische Kontrolle käme, würde auf heftigen Widerstand seitens der Türkei stoßen. Letztes Jahr waren türkischen Truppen vor allem deswegen nach Syrien eingerückt, um zu verhindern, dass die Kurden von Manbij weiter nach al-Bab vorrücken und so mit der Kontrolle des Korridors zwischen Rojava und Afrin ein zusammenhängendes Gebiet erhalten. Den Islamischen Staat hatte die Türkei hingegen lange Zeit aus diesem Grund an der Grenze geduldet.“ (Florian Rötzer: „Syrische Kurden verlangen von den USA Korridor zum Mittelmeer“)

 

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