Konrad-Adenauer-Stiftung wirbt für das „Reiseparadies Iran“

Von Kazem Moussavi

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Hinrichtung zweier minderjähriger Homosexueller im Iran, 2005

Die Konrad-Adenauer-Stiftung jubelt im Rahmen des „7. HAFIS-Dialogs“, der am 6. Oktober in Weimar stattfindet, über die „boomende Tourismusindustrie“ im Iran und teilt mit, dass sich der „Iran-Tourismus so dynamisch entwickelt, dass ein führender Reiseveranstalter Iran zum ‚beliebtesten Fernreiseziel‘ erklärt” habe. Dass dies nicht für alle Menschen gilt, wird wohlweislich unter den Tisch gekehrt. Iran liegt nämlich unter dem als moderat gepriesenen Präsidenten Hassan Rouhani laut dem Spartacus-Ratgeber für schwule Reisende auf Platz 192 von 193 bewerteten Ländern – noch hinter Saudi-Arabien, das Platz 190 belegt. Amnesty International berichtete kürzlich über die jüngste Hinrichtung eines 19-jährigen Schwulen, Hassan Afshar, im Gefängnis der Stadt Arak, die im August 2016 statfand.

Die iranischen Ayatollahs betrachten Homosexualität als Verstoß gegen die „göttliche Ordnung“. Ihrer Ansichten nach ist Homosexualität ein Produkt der verderblichen westlichen Zivilisation und wurde vom amerikanischen Imperialismus und dessen Repräsentanten, den Juden oder Zionisten, oder von Israel erfunden, um die ‚reinen islamischen Menschen‘ ins Verderben und in die Hölle zu treiben. Neben ihrer Folterung und Ermordung durch staatliche Organe werden Homosexuelle aufgrund der religiösen, homophoben und patriarchalischen Indoktrination der Gesellschaft insbesondere von Regime-Anhängern alltäglich erniedrigt und misshandelt. Davon sind auch lesbische Frauen betroffen. Sie werden sozial intensiv überwacht und schikaniert.

Ein ehemaliger Häftling bezeichnete 2015 die Situation der homosexuellen Gefangenen als schockierend:

„Sie waren angekettet wie Tiere, an Händen und Füßen. Einige von ihnen lebten so über Jahre in Einzelhaft. Die Wachen haben sie getreten, schlimmer als Tiere. Sie haben sie bespuckt, beschimpft und angeschrien. Sie haben sie auf die Toilette geschleift, wie Tiere – mit einer Hundeleine.“

Der Holocaustleugner Mahmoud Ahmadinejad sagte 2007 in New York: „Es gibt im Iran keine Homosexuellen (…) Ich weiß nicht, wer Ihnen erzählt hat, es gäbe so etwas bei uns.“ Fakt ist, dass unter dem nun 38 Jahre währenden islamistischen Strafrecht mehrere Tausend Homosexuelle vertrieben, inhaftiert und getötet wurden. Hassan Rouhani schrieb am 19. April 2014 auf seinem Online-Portal: „Diese Strafen und Hinrichtungen (von Homosexuellen) sind entweder vom Gott verordnet oder sie erfüllen die Gesetze, die das islamische Parlament gebilligt hat.“

 

ksa-7-hafiz-dialog-in-weimarNach dem Atomdeal wirbt das Regime für das neue „Reiseparadies Iran“. Regime-Zeitungen propagierten im August 2016: „Andreas Wilde von der Otto-Friedrich-Universität Bamberg sagte im Iran, dass sich die politischen Beziehungen zwischen dem Iran und Deutschland verbessert haben, dass der Zustrom von deutschen Touristen in den Iran begonnen hat, und dass in nicht allzu ferner Zukunft noch viele Deutsche in den Iran kommen werden.“ In diesem Sinne bewirbt auch die Konrad-Adenauer-Stiftung ihre Hafis-Tagung für „Tourismus und Entwicklung im Iran“. Bei der Veranstaltung werden der ehemalige Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Ruprecht Polenz, und der iranische Ölhändler und Lobbyist Bijan Khajehpour (Atieh Bahar International) sprechen.

In der Ankündigung der Veranstaltung wird verschweigen, dass unter Rouhani homosexuelle Menschen willkürlich unterdrückt und hingerichtet werden. Jeden Tag werden 3-5 Menschen öffentlich exekutiert, auf den Straßen werden Hände und Füße mit einer eigens konstruierten Maschine amputiert. Stattdessen wird davon gesprochen, dass „(g)astfreundliche Menschen, unberührte Natur, faszinierende Kulturschätze (…) immer mehr Iran-Reisende“ begeisterten. Angesichts auch der desaströsen Umweltlage im Iran, der jährlich Tausende Menschen zum Opfer fallen und der dramatischen Zensur von Kunst und Literatur ist dies ein zynisches Statement.

Die Touristik-Industrie des finanziell geschwächten Mullah-Regimes wird im Sinne der „Ökonomischen Widerstandspolitik“ gegen die Sanktionen betrieben und mit Slogans wie: „Rouhani brings to life Iran’s tourism industry“ und „Reisen gegen die Iranophobie der USA und Israels“ beworben. Dabei dienen die aus dem Tourismus generierten Gelder nicht der Bekämpfung der zunehmenden extremen Armut, Arbeitslosigkeit, Drogenabhängigkeit, Prostitution, Korruption, Umweltverschmutzung und was es an Missständen in der iranischen Gesellschaft sonst noch so gibt – sondern der Förderung des Terrorapparats und der kriegerischen Unternehmungen der Revolutionsgarden in der Region und gegen Israel.

Artikel zuerst erschienen auf IraniansForum.

 

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