Kindesmissbrauch nach Dschihad-Art

Von Khaled Abu Toameh

Seit langem schon sind Kinder ein wichtiger Bestandteil von „Militär“-Paraden, die verschiedene palästinensische Gruppen im Gazastreifen abhalten. Doch an dieser Form des Kindesmissbrauchs scheinen sich Menschenrechtsorganisationen oder das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) nicht zu stören.

child_jihadLetzteres hat es sich erklärtermaßen zum Ziel gemacht, „für eine Welt zu arbeiten, in der jedes Kind faire Chancen im Leben hat, sowie das Recht zu überleben, sich zu entwickeln und sein Potenzial auszuschöpfen – zugunsten einer besseren Welt.“ Anscheinend glaubt UNICEF nicht daran, dass sein Mandat auch für palästinensische Kinder gilt, die im Interesse von islamistischen Gruppen ausgebeutet werden.

Im Gazastreifen wird Kindern nicht nur beigebracht, Israel zu hassen – sie werden auch auf den Dschihad (heiliger Krieg) gegen den „zionistischen Feind“ vorbereitet. Die Hamas, die Bewegung Islamischer Dschihad und andere radikale Gruppen betrachten Kinder als zukünftige „Soldaten“ im Krieg zur Auslöschung Israels. Sie machen Kinder zu Selbstmordattentätern und Dschihadisten zu Vorbildern. In dieser Welt träumen die Kinder nicht davon, Arzt, Pilot oder Ingenieur zu werden. Sie träumen vielmehr davon, Israel zu zerstören und „Palästina zu befreien“. In der Realität wurde bereits eine ganze Generation von Palästinensern – vor allem im Gazastreifen – vor dem Hintergrund der Glorifizierung von Attentätern und anderen Judenmördern erzogen. Ihnen wird beigebracht, dass die Zerstörung Israels kein weit her geholter Traum ist, wenn sie nur ausreichend Opfer brächten. Sie allein verkörperten die Zukunftshoffnung der Palästinenser, die Auslöschung Israels vom Angesicht der Erde mitzuerleben. Der Berufswunsch Arzt ist überholt: Die Aufgabe ist es vielmehr, das weiterzuführen, was ihre Väter nicht erreicht haben.

Und während all dies passiert, sehen sowohl nationale als auch internationale Organisationen weg. Ihrer Ansicht nach ist die Rekrutierung von palästinensischen Kindern in die Reihen von islamistischen Terrorgruppen kein Kindesmissbrauch. Doch nicht nur Menschenrechtsgruppen verschließen die Augen vor diesem Kindesmissbrauch. Die Palästinensische Autonomiebehörde (PA), die zur Sicherung ihres Überlebens stark auf westliche Geldgeber setzt, steckt angesichts dieser verstörenden Praktiken, die sich in den letzten Jahren im Gazastreifen immer stärker ausgebreitet haben, ebenfalls den Kopf in den Sand.

Auch wenn die PA keine Kontrolle über den Gazastreifen hat, könnte man doch von ihren Führern – vor allem von Präsident Mahmud Abbas – erwarten, die Ausbeutung und Gehirnwäsche von Kindern zu verurteilen. Was Abbas und andere PA-Führer jedoch nicht verstehen: Diese Kinder stellen ebenso eine echte Bedrohung für sie selbst dar. Die radikalisierten Kinder wachsen nicht nur mit einem Hass auf Juden auf, sondern auch auf jeden palästinensischen Anführer, der verkündet, Frieden mit Israel anzustreben. Dieses Gift, das die Gedanken und Herzen der Kinder vernebelt, wird irgendwann auch jene Palästinenserführer verfolgen, die jetzt untätig bleiben und der Indoktrinierung zusehen.

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Kundgebung zum 29. Jahrestag der vom Iran unterstützten Bewegung Palästinensischer Islamischer Dschihad

Es sind genau diese vom Dschihad missbrauchten Kinder, die sich in wenigen Jahren gegen die gleichen Anführer wenden werden, die ihre Herzen und Gedanken vergiften, da sie die Führer als zu „moderat“ ansehen. Zudem treibt diese Aufhetzung die Palästinenser in die offenen Arme der Hamas und des Islamischen Dschihad – der beiden Gruppen, die als politische Widersacher der PA-Führung angesehen werden und die sich vehement gegen eine friedliche Einigung mit Israel einsetzen.

Erstaunlicherweise werden die Kinder nicht im Geheimen und hinter verschlossenen Türen der Gehirnwäsche unterzogen. Im Gegenteil: sie findet am helllichten Tag statt, und die Verantwortlichen prahlen damit und laden die Welt ein, dabei zuzusehen, wie sie die nächste Generation von Dschihadisten vorbereiten. Sommercamps, in denen Kinder militärisch ausgebildet werden, sind nichts Neues im Gazastreifen. Sie fanden schon lange statt, bevor die Hamas gewaltsam die Macht im Gazastreifen an sich riss. Doch seitdem muss man nicht daruf warten, dass die Kinder in den Schulferien sind und an einem der Sommercamps teilnehmen, um solche Szenen zu beobachten. Fast jede zweite Woche sieht man irgendwo im Gazastreifen in Militäruniformen gekleidete Kinder Schnellfeuergewehre vor sich her tragen. Ihre Eltern scheinen mehrheitlich „stolz“ darauf zu sein, dass ihren Söhnen und Töchtern beigebracht wird, der Dschihad sei der einzige Weg, um „Palästina zu befreien“.

Betrachten wir zum Beispiel die Kundgebung, die vor Kurzem anläßlich des 29. Jahrestages der vom Iran unterstützten Bewegung Islamischer Dschihad in Palästina stattfand. Das erklärte Ziel der Gruppe ist die Zerstörung Israels und die Errichtung eines souveränen islamischen Staats. Bei der Kundgebung wurde auch des Jahrestages der Ermordung des Anführers der Gruppe, Fathi Shikaki, gedacht. Shikaki war am 26. Oktober 1995 vor dem Hotel „Diplomat“ in Sliema (Malta) vermutlich von israelischen Agenten niedergeschossen worden.

child_jihad_iiiDie „Stars“ der Demonstration waren Dutzende Jungen und Mädchen, die zur Kundgebung gingen – oder vielmehr gebracht wurden –, um ihre Unterstützung der Bewegung des Islamischen Dschihad in Palästina und ihrer Ziele zu zeigen. Die meisten der Kinder trugen Militärkleidung in Tarnfarben, einige hatten echte oder falsche Schnellfeuerwaffen dabei, und trugen Kopfbänder mit dem Namen des bewaffneten Flügels der Gruppe, Al-Quds-Brigaden. Um es kurz in Erinnerung zu rufen: Die Brigaden sind für eine Serie von Selbstmordattentaten und anderen Terroranschlägen auf israelische Zivilisten und Soldaten verantwortlich. Sie stecken auch hinter vielen der Raketen, die in den letzten Jahren auf Israel abgefeuert wurden. Auf der Veranstaltung wurden die Kinder gefeiert und als „Junglöwen und Blumen“ gepriesen.

Die Kundgebung zog tausende Palästinenser an und stand unter dem Titel „Der Dschihad ist unsere Wiedergeburt“. Übersetzt meint dies, dass die Gruppe ihr Versprechen wiederholt, den heiligen Krieg gegen Israel und die Juden fortzusetzen, um ihr Ziel zu erreichen, einen islamischen Staat nach dem Vorbild des IS zu errichten. Später verkündete die Gruppe stolz, dass ein neun Monate altes Mädchen mit dem Namen Sham Al-Zaq die jüngste an der Kundgebung teilnehmende Palästinenserin war. Die Gruppe veröffentlichte sogar ein Foto des Babys im Militär-Outfit.

Der Generalsekretär des Islamischen Dschihad, Ramadan Shallah, wandte sich via Satellit an die Menge und erinnerte seine Unterstützer erneut an die Notwendigkeit, am „bewaffneten Kampf“ als einzigem Mittel zur Zerstörung Israels festzuhalten. „Die Palästinenser und ihre zukünftigen Generationen werden keine Kompromisse eingehen oder ihr Recht auf Palästina aufgeben, denn dies ist unsere Heimat“, betonte Shallah. „Der Dschihad ist der Weg zum Sieg und zur Freiheit.“ An diesem Aufmarsch des Islamischen Dschihad ist nicht nur die Anzahl der Kinder beunruhigend, die an vorderster Front und in Militärkleidung und mit Waffen ausgestattet auftraten, sondern auch die große Anzahl der Teilnehmenden.

 

Quellen im Gazastreifen zufolge nahmen zehntausende Palästinenser bei der Kundgebung des Islamischen Dschihad teil. Sie berichteten, dass einige der Familien bereits zwei oder drei Tage vor der Veranstaltung aus verschiedensten Teilen des Gazastreifens angereist waren, um einen Platz in der Nähe des Podiums zu ergattern. Die hohe Beteiligung belegt die breite Unterstützung für den Islamischen Dschihad, der sich zur zweitgrößten Miliz hinter der Hamas im Gazastreifen entwickelt hat. Die hohe Beteiligung verdeutlicht ebenso die gesteigerte Radikalisierung der Palästinenser, vor allem im Gazastreifen, und die „Massenrückkehr zum Islam“. Ironischerweise handelt es sich bei vielen Unterstützern der Gruppe um frühere unzufriedene Mitglieder der Hamas, die der Hamas vorwerfen, nicht islamisch genug zu sein und zu „nachgiebig“ mit Israel umzugehen.

Somit haben wir es hier mit der Ausbeutung von Kindern zu tun, aber auch mit der wachsenden Radikalisierung, die unter den Palästinensern stattfindet. Angesichts einer Gesellschaft, in der es ein Verbrechen ist, mit Juden Kaffee zu trinken, kann man leicht erkennen, welche Richtung die Palästinenser einschlagen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis viele dieser Kinder – die an den „militärischen“ Kundgebungen des Islamischen Dschihad und der Hamas teilnehmen und das Gift ihrer Anführer aufnehmen – beginnen, Juden zu töten und darauf zu hoffen, Israel durch einen islamischen Staat zu ersetzen. Den Kindern wird beigebracht, dass es im Konflikt mit Israel nicht um eine Siedlung oder einen illegalen Außenposten, nicht um Grenzen oder Checkpoints geht, sondern um die bloße Existenz des jüdsiche Staates. Was will die Welt unternehmen, um diesen Kindesmissbrauch zu bekämpfen? Vielleicht haben UNICEF und andere internationale Behörden momentan keine Zeit, sich mit solchen Themen auseinanderzusetzen – weil sie damit beschäftigt sind, die nächste Resolution zu planen, mit der sie Israel verurteilen.

Artikel zuerst erschienen auf Audiatur Online. Auf Englisch ursprünglich publiziert bei Gatestone Institute. Khaled Abu Toameh ist ein preisgekrönter arabisch-israelischer Journalist und TV-Produzent.

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