KÄMPFE AM SINAI

Sehr geehrter Herr El-Gawhary,

in Ihrem gestrigen ZIB2-Bericht zur Situation in Ägypten meinten Sie: „Wovor die internationale Gemeinschaft Ägypten gewarnt hat, ist eingetroffen: Seit letzten Mittwoch die Protestlager der Pro-Mursi- und Anti-Coup-Anhänger gewaltsam geräumt wurden, ist das Land außer Kontrolle geraten. … Im Nordsinai sind Armee und militante Islamisten in einen Kleinkrieg verstrickt. Dort wehen al-Qaida-Fahnen. Das Grenzgebiet zu Israel droht, zu einer Art ägyptischem Somalia zu werden.“

Die Auseinandersetzung zwischen Armee und Islamisten am Sinai als Resultat der Räumung der Protestlager in Ägypten hinzustellen, ist irreführend: Vielmehr war das Erstarken der Islamisten eine direkte Folge der Politik von Präsident Mursi, der diese während seiner Amtszeit nicht bekämpft, sondern – gemäß seiner eigenen islamistischen Agenda – weitgehend gewähren hat lassen. Am 18. Juli, also bereits vor der Eskalation der letzten Woche, berichtete die israelische Zeitung Haaretz beispielsweise; „More significantly, however, the military also worried that Morsi was giving a free hand to Islamic militants in the Sinai Peninsula, ordering al-Sisi to stop crackdowns on jihadis who had killed Egyptian soldiers and were escalating a campaign of violence.“

Das militärische Vorgehen gegen die Islamisten auf dem Sinaibegann mehr oder weniger unmittelbar nach der Entfernung Mursis aus dem Präsidentenamt und steht nur insofern mit den Geschehnissen der letzten Woche in Zusammenhang, als die Armee einerseits jetzt das machen konnte, was sie schon längst hatte tun wollen, und sie andererseits am Sinai zum Ziel von Angriffen der Islamisten wurde, die die Muslimbrüder hatten gewähren lassen.

Mit freundlichen Grüßen,
Mag. Alexander Gruber
Medienbeobachtungsstelle Naher Osten (MENA)


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