Judenmord aus Protest

Von Florian Markl

Glaubt man Conrad Seidl im heutigen Standard, so handelt es sich bei dem designierten Oberrabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien, Arie Folger, um einen „Hardliner“, der als „eiserner Verfechter der israelischen Anliegen“ gelte. Während die Leser nicht erfuhren, was „die israelischen Anliegen“ sein sollen, war im Folgenden zu lesen, Folger habe sich „immer wieder scharf dagegen gewandt, dass die europäische Öffentlichkeit den palästinensischen Terror gegen Israel kaum noch registriert.“ Ob das schon ausreicht, um von Seidl als „Hardliner“ charakterisiert zu werden, blieb offen. Ein Blick in österreichische Zeitungen macht aber klar, wie richtig Folgers Vorwurf ist. Gestern etwa attackierten zwei mit Messern bewaffnete palästinensische Terroristen in unmittelbarer Nähe des Jaffa-Tores in Jerusalem zufällig anwesende Juden. Eine Person wurde schwer verletzt, zwei weitere wurden getötet, eine davon offenbar durch Schüsse der Polizei, der es leider erst zu spät gelang, die Attentäter unschädlich zu machen. Dem Standard war dieser erneute palästinensische Terrorangriff nicht einmal eine Kurzmeldung wert, genauso wenig übrigens wie der Presse, den Salzburger Nachrichten, dem Kurier, der Kleinen Zeitung oder der Kronen Zeitung.


Der Fall Samir Kuntar

Selbst am 24. Dezember, einem Tag, an dem in kaum einem Medium Berichte über die Weihnachtsfeierlichkeiten in Bethlehem fehlen durften und somit überall aus dem ‚Heiligen Land‘ berichtet wurde, blieben die österreichischen Zeitungen also stumm über den andauernden Terror gegen Juden – besser konnte der Vorwurf Folgers, dass die europäische Öffentlichkeit palästinensische Angriffe auf Israel kaum noch registriere, nicht belegt werden.

Wenn hierzulande dann doch einmal von Terror gegen Israel die Rede ist, wird dieser selten als solcher benannt. Die Presse etwa berichtete am Montag vom Ableben Samir Kuntars, der eines – für seinen Beruf – quasi natürlichen Todes verstarb, als eine Rakete in einem Haus nahe Damaskus einschlug, in dem sich der Terrorist aufgehalten hatte. Im April 1979 hatte Kuntar sich bei einem Terrorangriff im israelischen Nahariya hervorgetan, indem er einem vierjährigen Mädchen mit seinem Gewehrkolben den Kopf zertrümmerte. Der Presse zufolge hatten Kuntar und seine Mitstreiter die Absicht verfolgt, „gegen das Friedensabkommen zwischen Israel und Ägypten zu protestieren.“ (Presse, 21. Dez. 2015)

Judenmord als Protestform

Sie haben richtig gelesen: Das Blutbad am Strand von Nahariya, das Kuntar in der palästinensischen Gesellschaft und in der arabischen Welt zu einem Helden machte, sei eine Art des Protests gewesen. Während man anderswo Protest dadurch zum Ausdruck bringt, dass man Kundgebungen abhält oder Petitionen verfasst, hätte Kuntar eben Israelis massakriert.

Dass es sich bei dieser Formulierung nicht um einen einmaligen Ausrutscher handelte, zeigte sich gestern in einem weiteren Presse-Bericht, in dem es um die Bemühungen des PLO-Vorsitzenden Mahmud Abbas um internationale Ankerkennung für den (nicht existierenden) Staat Palästina ging. Darin war zu lesen: „Dass die antiisraelischen Proteste bisher nicht völlig entgleist sind, halten viele auch Abbas zugute.“ (Presse, 23. Dez. 2015)

So wie die blutige Ermordung eines Kleinkindes durch den Terroristen Kuntar als „Protest“ charakterisiert wurde, stellt die seit drei Monaten andauernde Serie palästinensischer Terrorattacken auf Juden aus Sicht der Presse bloß „antiisraelische Proteste“ dar. Angesichts der Tatsache, dass im Zuge dieser als „Proteste“ verharmlosten Attentate bereits 24 Israelis ermordet wurden, kann man kaum Trost daraus ziehen, dass diese „Proteste“ noch „nicht völlig entgleist“ sein sollen.


Palästinenser werden getötet, Israelis sterben

Zu welch Absurditäten es führt, wenn über palästinensischen Terror berichtet wird, zeigt auf eindrucksvolle Art und Weise ein Blick auf die Berichterstattung internationaler Medien über den gestrigen Anschlag in Jerusalem. Als eine der ersten Nachrichtenagenturen meldete die Associated Press:

AP - 2 Palestinians

Dass es sich bei den beiden Palästinensern um die Angreifer handelte, ließ sich gerade noch erahnen, die von ihnen attackierten jüdischen Opfer wurden dagegen verschwiegen.

Beim Time Magazine übernahm man die Meldung von AP unter folgendem Titel:

Time - 2 Palestinians
Die New York Times erwähnte in ihrer (mittlerweile geänderten) Überschrift zwar Opfer und Täter, brachte es aber dennoch fertig, der Meldung einen eigentümlichen Spin zu geben:

NYT - 2 Palestinian Attackers Killed

Man beachte: Aktiv „getötet“ wurden nur die beiden palästinensischen Terroristen, die jüdischen Opfer dagegen „starben“ – woran, das blieb offen. Einem Herzinfarkt? Oder Altersschwäche?

Übertroffen wurden diese Beispiele von Verzerrungen nur durch das iranische PressTV, das der Einfachheit halber die palästinensischen Angriffe gleich ganz beiseiteließ und meldete:

PressTV - Israeli Forces shoot dead 2 Palestinians

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