Ist ein Verbot der Vollverschleierung ausreichend?

„Der Niqab ist nicht nur ein Symbol der Unterdrückung und Ungleichheit zwischen den Geschlechtern, sondern auch ein von Islamisten weltweit gezielt eingesetztes Instrument, um ihre fundamentalistische, ideologische und politische Agenda durchzusetzen. Verschleierte Frauen sind in diesem patriarchalischen Weltbild somit immer auch Ausdruck des islamistischen Einflusses auf die staatliche Macht und ihrer Kontrolle der politischen, sozialen und individuellen Freiheit. So führte etwa im Jahr 1983, vier Jahre nach der iranischen Revolution und der Gründung der Islamischen Republik, Ayatollah Ruhollah Khomeini ein Verbotfür Frauen ein, ihre Haare und die Form ihres Körpers zu zeigen. Seither schlägt, verhaftet und sperrt das iranische Regime Frauen ein, wenn sie nicht ordnungsgemäss gekleidet sind. Übrigens sind auch westliche Frauen gezwungen, ihre Haare zu bedecken, wenn sie den Iran besuchen. (…)

Nichts ist an einer Burka oder einem Niqab liberal, und es ist auch nichts progressiv an jenen, die sie verteidigen oder den Niqab als ‚religiöses und kulturelles Recht‘ verklären. Der Niqab ist nicht nur eine kulturelle und religiöse Tradition, sondern auch ein Symbol der geschlechtsspezifischen Diskriminierung. (…) Die Unterdrückung der Frauen muss bekämpft werden. Hilft uns dabei ein Niqab- oder ein Burkaverbot? Ich denke, bei allen berechtigten Sicherheits- und Frauenrechtsargumenten, die für ein Verbot sprechen, ist es nicht genug, nur ein Verbotzu fordern. Burkas und Niqabs sind lediglich ein Symptom einer viel grösseren Krankheit, nämlich derjenigen des Islamismus. Ein Verbot ohne sachliche Auseinandersetzung mit dem Islamismus wäre zwecklos. Es benötigt gleichzeitig zum Burka- und Niqabverbot eine Diskussion, die das Kind beim Namen nennt. Eine Diskussion, die nicht alle noch so reaktionären Seiten der islamischen Religion wie Sharia und Unterdrückung der Frauen unter dem Banner der ‚Religionsfreiheit‘ verteidigt. Sonst wäre ‚das Wasser auf den Sand gegossen‘, wie eine arabische Redewendung sagt.“ (Kacem El Ghazzali: „Das liberale Märchen aus tausendundeiner Nacht über die Nikab“)

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