Israel „heizt den Konflikt an“?

Sehr geehrter Herr Arnim-Ellissen,

Sie moderierten im gestrigen Ö1-Abendjournal einen Bericht über israelische Luftschläge im Gazastreifen mit den Worten an: „Die israelische Luftwaffe hat mit einem gezielten Angriff auf Hamas-Mitglieder den Konflikt im Gazastreifen neu angeheizt.“ Diese Behauptung ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert.

Einerseits handelt es sich, wie auch im folgenden Bericht ausgeführt wurde, bei Ahmed Saad, dem die Angriffe galten, nicht um einen Hamas-Mann, sondern um ein Mitglied des Palästinensischen Islamischen Jihad, das persönlich an etlichen terroristischen Anschlägen gegen Israel beteiligt war.

Andererseits erfolgten die israelischen Luftangriffe als Reaktion auf den im Laufe der letzten Tage wieder verstärkten Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen. So wurden allein vergangenen Donnerstag acht Raketen auf den Süden Israels abgefeuert. Wie die israelische Zeitung Haaretz berichtete, ist bereits seit dem Jahreswechsel ein markanter Anstieg der Angriffe zu bemerken, sodass mittlerweile wieder fast täglich Raketen aus dem Gazastreifen in Israel einschlagen. Wie leider üblich, wurden diese Attacken hierzulande weitgehend ignoriert – bis Israel sich gegen den fortwährenden Raketenterror zur Wehr setzt: Jetzt machen Sie nicht etwa die verschiedenen vom Gazastreifen aus operierenden Terrorgruppen für die Eskalation verantwortlich, sondern werfen dem jüdischen Staat vor, er würde den Konflikt „anheizen“, weil er den Raketenbeschuss nicht einfach tatenlos hinnimmt. Mit dieser offenkundigen Umkehr von Ursache und Wirkung wurde den Hörern des Abendjournal eine höchst verzerrte Darstellung der aktuellen Vorgänge geboten.

Mit freundlichen Grüßen,
Mag. Alexander Gruber
Medienbeobachtungsstelle Naher Osten (MENA)


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