IS verwandelte eroberte Orte in unterirdische Festungen

„Das [vom IS befreite] Dorf steht nun auf einem Labyrinth: Die Durchbrüche setzen sich fort in die Nachbarhäuser, und der Tunneleingang führt in ein unterirdisches Gängesystem. Das zieht sich mehrere Hundert Meter quer durchs Dorf mit Ausgängen in etwa einem Dutzend Häusern, unter Betten und Brettern verborgenen Ausgängen ins Freie, einer Kommandozentrale, Strom- und Wasserversorgung sowie Vorratskammern. Alles in vier bis fünf Metern Tiefe durch den steinharten Boden getrieben. Abbas‘ Dorf Bas Ghardan zählt 240 Häuser und ist eigentlich nur ein Ortsteil des Dorfes Chakuli etwa 30 Kilometer östlich von Mossul. Aber Ausmaß und Timing dieser irrwitzigen Maulwurfsarbeit verraten viel über das militärische Planungsvermögen des IS. Denn um ein derart ausgedehntes Gängesystem anzulegen, müssen die Dschihadisten bereits kurz nach ihrer Eroberung des Dorfes im August 2014 damit begonnen haben. (…)

‚Wie mag das nur in Mossul selbst aussehen?‘, fragt Atto Zibari, der örtliche Peschmerga-Kommandeur, der nicht einmal selbst ins Dorf kommen mag, weil selbst zwei Tage nach der Befreiung nicht ganz klar ist, ob sich nicht doch noch ein paar IS-Männer irgendwo versteckt halten (…) Zu unheimlich ist den meisten, was sich hinter der religiösen Fassade des ‚Islamischen Staates‘ verbirgt: ein immens durchorganisiertes, strategisch durchdachtes System mit dem eroberte Ortschaften in unterirdische Festungen verwandelt wurden.“

(Christoph Reuter: Offensive im Irak Die Höhlenmenschen vom ‚Islamischen Staat‘“)

 

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