Irak: Kinder von IS-Kämpfern sehen ungewisser Zukunft entgegen

„Kämpfer des Islamischen Staats haben im Irak Hunderte Kinder ohne Papiere zurückgelassen und ihre überlebenden Angehörigen sehen einer ungewissen Zukunft entgegen. Die 28jährige Halawa Omar war mit ihrem Cousin, einem Kämpfer des Islamischen Staats aus Hawijah, verheiratet. Jetzt schlägt sie sich mit ihren beiden Kindern in einem Lager in der Provinz Kirkuk durch. ‚Ich wollte meinen Cousin nicht heiraten. Er war arbeitslos, bekam Ärger und trank Alkohol’, so Halawa (dies ist nicht ihr wirklicher Name). ‚Dann kam 2014 Daesh [ISIS] und alles änderte sich. Mein Cousin schloss sich Daesh an. Ende des Jahres kam er eines Nachts mit einer vermummten Daesh-Einheit und nahm mich mit.’ Halawa wohnte in einem ungefähr zwei Kilometer außerhalb Hawijahs gelegenen Dorf. ‚Mein Cousin drohte, er werde meinen Vater und meine Brüder töten. Abends nahm er mich dann zu einem seiner Freunde mit und am folgenden Morgen wurde ich von einem Daesh-Gericht gegen meinen Willen zu seiner Frau erklärt.’ Ende 2016 wurde ihr mitgeteilt, dass ihr Mann durch einen Luftschlag der von den USA angeführten Koalition umgekommen sei. Kurz darauf nahm sie ihre beiden Kinder, Abubakr und Omar, und lief mit einigen anderen Menschen zusammen die 25 Kilometer, bis sie Stellungen der Peshmerga erreichten. Von dort wurden sie in ein außerhalb der Stadt Kirkuk gelegenes Lager geschickt.

‚Meine Kinder haben keine Papiere und ich weiß nicht, was ich tun soll’, erklärt Halawa. Dem irakischen Gesetz zufolge sollte der Kindsvater bekannt sein. Sollte er nicht mehr am Leben sein, müssen zwei Zeugen an seiner Stelle aussagen. In dem Lager in der Nähe von Kirkuk will niemand Halawas Aussage bezeugen. Sie weiß nicht, was mit ihrem Vater und ihren Angehörigen passiert ist. ‚Allein in Mosul gibt es 1000 Kinder, deren Väter Daesh angehörten und getötet wurden, und die nun keine Papiere haben’, so Sakina Mohammad Ali, die einem mit der Fürsorge für diese Kinder betrauten Komitee vorsteht. ‚Die irakische Regierung muss für dieses Problem eine Lösung finden.’ Diesem Komitee zufolge befinden sich 600 Kinder im Hamam al-Aleel-Lager, mehr als 55 in einem Waisenhaus in Mosul, 25 im Hasan Sham-Lager und im Qayyarah-Lager 200, die alle aus Mosul stammen. Bei dieser Zählung wurden Tal Afar, Mamrood und Westmosul nicht berücksichtigt. Die Amerikaner unterhielten ein Lager für die Kinder und Familien von Daesh-Kämpfern, berichtete Sakina. (…) Jwan Hassen, der Vorsitzende des Menschenrechtskomitees im Provinzrat von Kirkuk sagt, der Islamische Staat habe für den Irak ein großes Problem geschaffen und niemand sei entschlossen, die Probleme dieser Kinder zu lösen. ‚Das Parlament müsste ein Gesetz verabschieden, dass dieses Problem löst, doch ignoriert es das Problem und wir haben auch kein Kinderministerium, das eine Lösung herbeiführen könnte.’ ‚Unseren Zahlen zufolge gibt es in den Lagern rund 3000 Kinder aus Daesh-Familien, die sich in in einer ziemlich aussichtslosen Situation befinden.’“ (Bericht auf Kirkuk Now: „Children of Isis: stuck in a legal limbo“)

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