In der Türkei grassiert die Verzweiflung

Hunderttausende Menschen in der Türkei leben ein Jahr nach dem Putschversuch vom 15. Juli mit der Verzweiflung. Mehr als 150.0000 Staatsdiener wurden seitdem entlassen, gut 50.000 Menschen sitzen in Haft, die meisten ohne Anklage. Die Regierung sagt, sie müsse zur Verhinderung eines neuen Putsches gegen Gefolgsleute des Predigers Fethullah Gülen vorgehen, der in Ankara als Drahtzieher des Umsturzversuches vom vorigen Sommer gilt. Der Verdacht auf Gülen-Anhängerschaft ist meistens auch ohne Gerichtsbeschluss gleichbedeutend mit einem Schuldurteil – und dem wirtschaftlichen und sozialen Absturz der Betroffenen. Wer als Beamter entlassen oder festgenommen wird, verliert sofort und automatisch alle Ansprüche auf Gehalt, Abfindung oder Pension. Für jeden entlassenen oder festgenommenen Bürger geraten daher mindestens zehn weitere Menschen in existentielle Nöte. (…)

So weit grassiert die Verzweiflung inzwischen in der Türkei, dass sie nun auch auf Bevölkerungsteile übergreift, die bisher verschont blieben. An diesem Sommer sei keine Freude zu haben, schrieb kürzlich Ayse Arman, die Gesellschaftskolumnistin der Zeitung Hürriyet, die mit ihrem Promi-Status fast unantastbar ist. Unzählige Menschen würden eingesperrt, ohne dass etwas gegen sie vorliege – „monatelang, nur um sie zu quälen.“ Die Gesellschaft habe resigniert, klagte Arman. „Wir sagen uns ‚da ist nichts zu machen‘ und ziehen uns ins Private zurück“, schrieb die Reporterin. ‚Was auf uns allen lastet in diesem Sommer, das ist die Verzweiflung.‘“  (Susanne Güsten: „Immer mehr Türken verzweifeln“)

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