Hijab-Feminsimus und „zionistische Verschwörungen“

Von Thomas von der Osten-Sacken

Spätestens seit dem Women‘s March gegen Trump ist der Hijab-Feminismus in aller Munde, für den unter anderem mit nebenstehendem Bild geworben wurde. USA-Today nimmt sich des Themas gleich so an: „Hijab becomes symbol of resistance, feminism in the age of Trump“.

Da mag der oberste Chef des Iran, der laut Verfassung in Teheran ja im Auftrag und in Stellvetretung des Allmächtigen waltet, nicht nachstehen. Und er sollte irgendwie in diesen Fragen schon als Fachmann gelten, und – fragte man ihn – würde er sicher auch erklären, Experte in Fragen der Resistance, ganz besonders solcher gegen Imperialismus, Zionismus und andere westliche bzw. gottlose  Zumutungen, zu sein. In dieser Funktion nun hat er sich höchstselbst jüngst zum Thema Islam und Feminsimus zu Wort gemeldet:

„Das religiöse Oberhaupt des Irans Sayyid Ali Khamenei beschuldigte Israel und den Westen am Sonntagmorgen, sie förderten die Ausbeutung der Frauen im Interesse irdischer Freuden. Es handele sich hierbei um eine ‚zionistische Verschwörung’, die die menschliche Gesellschaft zerstören solle. In Zitaten, die von der iranischen Nachrichtenagentur Mehr verbreitet wurden, verspottete Khamenei auf einer Veranstaltung, die sich vornehmlich mit der Rolle der Frau in der islamischen Gesellschaft beschäftigte, das westliche Ideal der Gleichberechtigung der Geschlechter. Manche der Fragen, die in diesem Zusammenhang aufgeworfen würden, untergrüben in Wirklichkeit deren Rolle in der Gesellschaft, die von Gott vorherbestimmt sei.

,Diese abnormalen und pflichtvergessenen Menschen würdigen die Rolle der Hausfrau herab. Doch ist die Hausfrau in Wirklichkeit für das Großziehen und die Erziehung des wertvollsten Gutes, nämlich des Menschen verantwortlich’, sagte Khamenei. ‚Bedauerlicherweise werden den Frauen in unserem Land und in manchen muslimischen Milieus mitunter Aufgaben und Erwartungen zugeschrieben, die ihre Aufgaben gefährden und herabwürdigen’, fügte er hinzu. (…)

Mit Blick auf die Förderung westlicher Ideen wie jener der Gleichberechtigung der Geschlechter oder der Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern sagte Ayatollah Khamenei, Gerechtigkeit bestehe darin, dass man die gottgegebenen Potenziale von Männern und Frauen erkenne und kultiviere, nicht, dass man sie mit falscher Freiheit belaste. ‚Westliche Wissenschaftler und jene, die für Ideen wie die der Gleichberechtigung der Geschlechter eingetreten sind, bedauern heute alle ihr Vorgehen wegen der dadurch erwachsenen Korruption’, behauptete er und brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass diejenigen, die ähnliche Fragen im Iran stellen, sich nicht auf diesen westlichen Irrtum berufen.“

Und wer sind wir, einfache Sterbliche, ihm da widersprechen zu wollen und seine Kompetenz in Sachen Hijab-Feminismus in Frage zu stellen?

Dieser Artikel stellt die leicht geänderte Version eines Beitrags dar, der zuerst auf jungleblog erschien.

 

 

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