Hat die Nordkorea-Krise Auswirkungen auf Israel?

„In Hinblick auf das momentane Säbelrasseln zwischen der Trump-Administration und Nordkorea liegt das Hauptaugenmerk auf der Frage, ob es in einen Krieg zwischen den USA und Pjöngjang münden könnte. Doch welches sind die möglichen Auswirkungen auf Israel? Rückt damit auch für Israel die Gefahr eines nuklearen Konflikts näher? (…) Erstens, sollten die USA oder Nordkorea tatsächlich Atomwaffen einsetzen, würde das Tabu gegen deren Verwendung gebrochen. Es gibt kein stärkeres Mittel gegen den Gebrauch von Atomwaffen als das Tabu, das darauf beruht, dass sich niemand die entsetzlichen Konsequenzen ausmalen kann. (…) Eine Demonstration der enormen Zerstörungskraft von Atomwaffen könnte Jihadisten dazu ermutigen, sich viel offensiver um die Entwendung einer Atomwaffe aus dem Bestand einer der Atommächte zu bemühen, um sie gegen Israel oder die USA einzusetzen. Das Motiv wäre dabei entweder der Hass auf Israel oder der Wunsch nach einer Methode, den Westen anzugreifen, die sicherer ist als die Durchführung von Anschlägen in den USA.

Der Iran ist nicht mehr weit davon entfernt, über Atomwaffen zu verfügen, und viele haben gemutmaßt, dass die erheblichen Fortschritte seines Atomprogramms Nordkorea zu verdanken sind. Wenn Nordkorea mit Atomwaffen angegriffen oder vermuten würde, dass es kurz vor einem derartigen Angriff steht, könnte es versuchen, dem Iran den erfolgreichen Abschluss seines Atomprogramms zu ermöglichen. Die Atomwaffenfähigkeit des Iran und der Einsatz von Atomwaffen gegen Israel durch den Iran wäre dann wahrscheinlicher. Dem Iran wäre vermutlich auch weniger am Erhalt des Atomabkommens von 2015 gelegen, wenn anderswo Atomwaffen eingesetzt würden.

Außerdem wäre ein atomarer Rüstungswettlauf im gesamten Nahen Osten, den Israel schon länger befürchtet, wahrscheinlicher, wenn sich alle Staaten nach einem derartigen Tabubruch vor einem Atomschlag fürchten müssten. Eine ganz andere, aber ebenfalls gefährliche Möglichkeit bestünde darin, dass Trump mit seinen kriegerischen Drohungen fortfährt, ihnen aber keine Taten folgen lässt. Diese würde Nordkorea, den Iran (der aus dem Atomabkommen aussteigen könnte) und andere ermutigen, offensiver voranzuschreiten, weil sie Trumps Drohungen keinen Wert mehr beimessen. Das soll nicht heißen, dass Trumps riskantes Kalkül, die feurige Rhetorik Nordkoreas mit Gleichem zu vergelten, nicht funktionieren kann. Die meisten Kritiker der Trumpschen Rhetorik schlagen lediglich Alternativen vor, die Nordkorea schon in der Vergangenheit nicht zum Einhalten seiner Verpflichtungen bewegt haben. Ob zu recht oder zu unrecht – wenn auch das Tabu des Einsatzes von Atomwaffen noch nicht gebrochen wurde –, so hat Trump doch ein Tabu in Bezug auf die Rhetorik in Sachen Atomwaffen gebrochen. Dieser Tabubruch könnte für Israel noch problematisch werden, selbst wenn der gegenwärtige Konflikt mit dem Nahen Osten nichts zu tun hat.“ (Yonah Jeremy Bob: „Will Israel feel the heat of Trump’s ‚fire and fury‘ North Korea rhetoric?“)

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