Hashd al-Shaabi: Wer sind die schiitischen Milizen im Irak?

„Als der Islamische Staat Mitte 2014 im Irak mit der Unterstützung von Kadern der Baath-Partei Mosul, Anbar, Tikrit und verschiedene andere sunnitische Siedlungsgebiete eroberte und sich dann dem schiitischem Territorium zuwandte, rief das Oberhaupt der irakischen Schiiten Ayatollah Ali Sistani am 13. Juni 2014 zum Dschihad auf. Der damalige irakische Premierminister Nuri Al Maliqi unterstützte den Aufruf und gab bekannt, dass diese Leute bezahlt würden. Da die engen Verbindungen Sistanis mit dem Iran bekannt waren, bedeutete sein Aufruf, dass mit militärischer Unterstützung durch den Iran zu rechnen war. Maliqis Zusage, dass die Kämpfer besoldet würden, führte zur Etablierung der Haschd al-Schaabî-Einheiten, die den Islamischen Staat bekämpfen sollten. Diese Einheiten wurden nach streng militärischen Maßstäben organisiert und der Iran übernahm die Finanzierung der Waffen, Ausbildung und Logistik. Der Kommandeur der Iranischen Revolutionsgarden Qasem Soleimani war bei der Ausbildung der Einheiten zugegen. In der Provinz Anbar befehligte Soleimani die Haschd al-Schaabî sogar selbst. (…)

Die Haschd al-Schaabî-Miliz, deren Gründung offiziell am 13. Juni 2014 im unmittelbaren Anschluss an Sistanis Aufruf bekannt gegeben wurde, hat sich in Ramadi, Falluja, Tikrit und Mosul Seite an Seite mit der irakischen Armee am Kampf gegen den Islamischen Staat beteiligt. Im Zuge der Offensive zur Befreiung Mosuls, die am 17. Oktober 2016 begann, wurden diese Einheiten am 26. November 2016 durch ein vom irakischen Parlament verabschiedetes Gesetz zu ‚offiziellen Streitkräften des Irak’ erklärt. Zuvor hatte der irakische Premierminister Haydar Al Abadî die Miliz aber bereits am 7. April 2015 durch ein Kabinettsdekret offiziell seiner Behörde unterstellt. Durch die offizielle Anerkennung wurden Diskussionen über den Status der Haschd al-Schaabî eingegrenzt und die Miliz enorm gestärkt. Ihre Angehörigen hatten nun die gleichen Rechte wie irakische Soldaten und sämtliche gesetzliche Regelungen, die sich auf die irakischen Streitkräfte beziehen, galten nun auch für die Miliz. Nicht zuletzt wurden ihre Waffen und Munition nun vom irakischen Verteidigungsministerium bezahlt.

Berichten zufolge folgten gut 100.000 Menschen dem Aufruf zur Gründung der Haschd al-Schaabî als Sammelbewegung zahlreicher schiitischer Orden, Gruppen und Stämme. Später konnte die Rekrutierung infolge der militärischen Unterstützung durch den Iran, der Finanzierung durch den Irak und des Erfolgs der Miliz in Ramadi und Tikrit noch intensiviert werden. Angesichts der offiziellen Anerkennung und der zwischen $300 und $600 liegenden Monatsgehälter nahm die Zahl der Rekruten zu und manche behaupten, dass die Miliz inzwischen 150.000 und 200.000 Angehörige hat. Während Organisationen wie die Bedir-Brigaden, Esaib Ehlulhak, Hisbollah Ketibe, die Ali Akbar-Brigaden und die Ensar El Merciyye-Brigaden im Vordergrund stehen, umfasst die Miliz mehr als 70 Organisationen. Allgemein wird berichtet, dass es zwei mächtige Strömungen innerhalb der Haschd al-Schaabî gibt. Auf der einen Seite befinden sich jene Organisationen, die dem Iran, der Hisbollah und Maliqi nahestehen. Auf der anderen Seite befinde sich jene Organisationen, die dem schiitischem Kleriker Muqtada Al-Sadr und dem irakischen Premierminister Haydar Al Abadî nahestehen, die sich vom Iran distanzieren. Die pro-iranischen Gruppen werden von den Bedir-Brigaden angeführt, während die Sadr näherstehenden Gruppen aus der Tradition der Mahdi-Armee kommen.“ (Ferzad Kamyaran: „Who are Hashd al-Shaabî?“)

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