Mena-Exklusiv

Gemäß den Propagandarichtlinien der Hamas

Von Florian Markl

Wirft man Medien hierzulande vor, über den Gaza-Krieg nicht ausgewogen und fair zu berichten, sondern Propaganda für die Hamas zu betreiben, so weisen die betroffenen Journalisten den Vorwurf empört zurück: Sie mögen in ihren Berichten zwar „vergessen“ haben, die verbrecherischen Angriffe der Hamas auf Israel zu erwähnen, und sie mögen „unabsichtlich“ das eine oder andere Detail, das Israel in besserem Licht darstellen würde, verschwiegen haben, aber in keinem Fall hätten sie die Ereignisse bewusst verzerrt dargestellt. Subjektiv mag das stimmen, objektiv tut die Verteidigung wenig zur Sache: Wer einen Blick auf die Propagandarichtlinien für den Krieg wirft, die vom Hamas-Innenministerium herausgegeben wurden, wird viele der Elemente wiedererkennen, die auch hier in Österreich in den letzten knapp zwei Wochen die Berichterstattung über den Konflikt geprägt haben.

So hatten die Hamas-Propagandaexperten genaue Vorstellungen davon, wie die zu erwartenden Toten medial präsentiert werden sollen:

„Anyone killed or martyred is to be called a civilian from Gaza or Palestine, before we talk about his status in jihad or his military rank. Don‘t forget to always add ‚innocent civilian‘ or ‚innocent citizen‘ in your description of those killed in Israeli attacks on Gaza.“

In gewissem Sinn übererfüllt die Berichterstattung in Österreich diese Anweisung oftmals sogar, denn hierzulande ist im Zusammenhang mit getöteten Palästinensern fast ausschließlich von der „unschuldigen Zivilbevölkerung“ die Rede. Dass sich unter den Toten auch Terroristen oder, um die Diktion der Hamas zu bemühen, Märtyrer im Dschihad gegen den jüdischen Erzfeind befinden, findet nur äußerst selten Erwähnung. Die stetig steigende Zahl an Toten wird in aller Regel vorbehaltlos und ohne auch nur den Versuch einer unabhängigen Verifizierung von palästinensischen Quellen übernommen, ebenso wie der angebliche Anteil der Zivilisten unter diesen Opfern – das ist meistens der einzige Hinweis darauf, dass es auch andere als „zivile“ Opfer gegeben haben muss.

„Begin (your reports of) news of resistance actions with the phrase ‚In response to the cruel Israeli attack,‘ and conclude with the phrase ‚This many people have been martyred since Israel launched its aggression against Gaza.‘ Be sure to always perpetuate the principle of ‚the role of the occupation is attack, and we in Palestine are fulfilling (the role of) the reaction.‘“

Mit geradezu gespenstischer Sicherheit finden diese Anweisungen in der österreichischen Berichterstattung Niederschlag. Selbst als Israel sich stundelang an eine Feuerpause hielt, die Hamas währenddessen weiter Raketen abfeuerte und Israel schließlich auch seine militärischen Operationen wieder aufnahm, kannten die Schlagzeilen österreichischer Medien nur einen „Aggressor“. Während manche Medien einfach verschwiegen, dass die Hamas nie das Feuer eingestellt hatte, „vergaßen“ andere das Detail, dass Israel sehr wohl seine Kampfhandlungen unterbrochen hatte. Immer wieder werden in der Beschreibung der Ereignisse Aktion und Reaktion so umgekehrt, dass die Hamas bloß auf israelische Angriffe „reagiere“.

„Be wary regarding accepting the occupation‘s version [of events]. You must always cast doubts on this [version], disprove it, and treat it as false.“

Oftmals scheitert die Berichterstattung schon an der bloß korrekten Darstellung der Ereignisse. Selbst glasklare Vorgänge werden auf grotesk entstellte Art wiedergegeben. Meldungen aus israelischen Quellen werden, wenn überhaupt, mit einer gehörigen Portion Skepsis wiedergegeben – eine Skepsis, die bei der Übernahme von Inhalten aus palästinensischen Quellen bemerkenswert abwesend ist.

„Avoid publishing pictures of rockets fired into Israel from (Gaza) city centers. This (would) provide a pretext for attacking residential areas in the Gaza Strip. Do not publish or share photos or video clips showing rocket launching sites or the movement of resistance (forces) in Gaza.“

Die Illustration der Berichte über den Krieg ist in vielen Fällen höchst einseitig: Auf der palästinensischen Seite dominiert die Darstellung von Leid und Elend, Aufnahmen von palästinensischen Angriffen sind selten, Bilder von den sie durchführenden Terroristen gibt es so gut wie nie – oder haben Sie etwa in den letzten Wochen auch nur ein einziges Bild eines bewaffneten Palästinensers gesehen? Die Visualisierung der israelischen Seite zeigt dagegen meistens kein Leid, sondern in aller Regel martialisch aussehendes militärisches Gerät.

Um nur zwei Beispiele aus Tageszeitungen von heute heranzuziehen: Die Kronen Zeitung illustrierte ihren Beitrag mit dem Titel: „Israel zerstört in Gaza Tunnelsysteme“ mit diesen beiden Bildern:

Der Kurier bebilderte seinen Beitrag heute folgendermaßen:

In einem asymmetrischen Krieg, wie dem zwischen der Hamas und Israel, kommt der Wirkung von Bildern überragende Bedeutung zu. Für beide gewählten Beispiele gilt: Besser hätte sich die Hamas die Auswahl der Fotos und deren Gegenüberstellung gar nicht wünschen können.

„In your coverage, be sure that you say: ‚The locally manufactured shells fired by the resistance are a natural response to the Israeli occupation that deliberately fires rockets against civilians in the West Bank and Gaza‘…“.

Immer wieder wird in der Berichterstattung hervorgehoben, dass es sich bei den Raketen der Hamas um „selbst gebastelte Geschosse“ handle, womit suggeriert wird, dass diese in Israel kaum Schaden hervorrufen könnten – ungeachtet der Tatsache, dass Hamas und andere Terrorgruppen mittlerweile Raketen syrischer und iranischer Provenienz abfeuern, die bis an die libanesische Grenze im Norden Israels reichen und fünf Millionen Israelis bedrohen.

Über die allgemeinen Richtlinien hinaus hatte das Hamas-geführte Innenministerium auch ein paar Ratschläge auf Lager, in denen es explizit um die kulturellen Unterschiede zwischen der arabischen Welt und dem Westen ging. Einer bestand darin, für westliches Publikum auf die in islamistischen Kreisen sonst selbstverständliche Holocaust-Leugnung zu verzichten und stattdessen die Erinnerung an die systematische Vernichtung der europäischen Juden gegen den Staat zu richten, in dem viele der Überlebenden und deren Nachkommen Zuflucht fanden:

„Avoid entering into a political argument with a Westerner aimed at convincing him that the Holocaust is a lie and deceit; instead, equate it with Israel‘s crimes against Palestinian civilians.“

Wenn es darum geht, die gutgläubige westliche Öffentlichkeit zu manipulieren, entdeckt die Hamas ihre Sensibilität für kulturspezifische Unterschiede:

„The narrative of life vs. the narrative of blood: (When speaking) to an Arab friend, start with the number of martyrs. (But when speaking) to a Western friend, start with the number of wounded and dead. Be sure to humanize the Palestinian suffering. Try to paint a picture of the suffering of the civilians in Gaza and the West Bank during the occupation‘s operations and its bombings of cities and villages.“

Und selbst wenn es den Hamas-Aktivisten schwerfällt, dem westlichen Publikum gegenüber sollten sie darauf verzichten, die Verbrechen derer zu bejubeln, die im Dschihad gegen die verhassten Juden und im Kampf für Allah ihr Leben ließen:

„Do not publish photos of military commanders. Do not mention their names in public, and do not praise their achievements in conversations with foreign friends!“

Um festzustellen, welche Mechanismen die mediale Berichterstattung über den Terrorkrieg der Hamas gegen Israel bestimmen, muss man keine aufwendigen und methodisch gefinkelten wissenschaftlichen Analysen anstellen: es reicht völlig, die Propagandarichtlinien der Hamas zu lesen.


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