Fürchterliche Zustände in libyschen Flüchtlingslagern

Seit dem Sturz des Machthabers Muammar al-Gaddafi 2011 herrschen in Libyen Zustände wie im Bürgerkrieg. Das Land hat zwei Regierungen und drei verschiedene Machtzentren, die sich bekämpfen. Die rund 700.000 Flüchtlinge aus Nigeria, Niger, Somalia, Sudan, Äthiopien und Eritrea sind in dem Chaos alles andere als willkommen und werden in gefängnisähnlichen Zentren eingesperrt.

Trotzdem will die EU künftig enger mit den Behörden in Libyen zusammenarbeiten, um die Zahl der Migranten, die übers Mittelmeerkommen, einzudämmen. Etwa 200.000 Menschen aus Afrika erreichen jedes Jahr die italienische Küste. Sie sollen zurückgeschickt werden. Völlig unklar ist, wie Europa in Libyen Menschenrechtsstandards, medizinische Versorgung und Ernährung der entkräfteten Flüchtlinge sichern will. Wegen der Kämpfe wagt sich kaum eine Hilfsorganisation in das Land. (…)

Kaum eine der Frauen schafft es nach Libyen, ohne auf dem Weg vergewaltigt zu werden. Weibliche Flüchtlinge arbeiten ihre Passage oft bei einem Schlepper ab, ganz junge Mädchen bleiben dann monatelang in dessen Besitz, oder sogar Jahre.

Im Frauentrakt des Internierungslager von Sabratha berichten weibliche Häftlinge, wie sie in Libyen von der Polizei aufgegriffen wurden, sie erzählen von Schlägen und Erniedrigungen, sexuellen Übergriffen und Unterernährung. Man gebe ihnen ausschließlich Weißbrot zu essen und oft Salzwasser zu trinken, behauptet eine junge Frau aus Eritrea und hält den gefüllten Becher hin. Das Wasser schmeckt salzig. Ein Wächter betritt den Raum, die Frau verstummt und flüstert zum Abschied: ‚Wenn ihr draußen seid, schlagen sie uns wieder, weil wir gesprochen haben.‘“ (Susanne Koelbl: „Ein Traum, der qualvoll endet“)

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