Für immer Muslim

Von Thomas von der Osten Sacken

Mit dem Muslim-Sein ist es so eine Sache. Denn eigentlich kann man ja, außer durch Konversion, offiziell nicht aus dem Islam austreten wie aus der evangelischen oder katholischen Kirche. So gesehen zählt einzig, ob man einen muslimischen Vater hatte. Nun hat so eine Sicht wenig mit der Realität zu tun, schon gar nicht mit der in vermeintlich säkularen Staaten.

Da nämlich sollte Religion Privatangelegenheit sein. Kurzum: Wer nichts angibt sollte auch als nicht-religiös behandelt werden, ganz egal, wie ihr oder sein Nachname lautet und aus welchem Land Eltern oder Großeltern stammen.

Leider gilt diese Regel für Muslime nicht. Und damit werden jene säkularen Selbstverständlichkeiten mißachtet, auf die man hierzulande angeblich ja so stolz ist. Ein gutes Beispiel: Bestimmt wollte die deutsche Tageszeitung Die Welt nur zeigen, dass es viel mehr sogenannte moderate Muslime gibt, als gemeinhin angenommen und kreierte deshalb diesen Titel:

Nur, genau damit schreibt sie Angeordnete, die keine Konfession angeben auf ihr vermeintliches Muslim-Sein fest. Soll es fortan atheistische Muslime geben oder agnostische?  Das ist ein Selbstwiderspruch, denn „Muslim“ definiert sich nun einmal nur über Religion und sonst nichts. Und diese identitäre Festschreibung ist und bleibt ein Problem, selbst wenn man es, wie in diesem Fall Die Welt“ eigentlich nur gut meint. „Gut gemeint“ ist bekanntlich das Gegenteil von „Gut gemacht“.

Artikel zuerst erschienen aug Jungleblog.

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