Frankreich, ein Terrorversteher

„Vor etwa einem Jahr steuerte der ‚Palästinenser‘ Khaled Kutina seinen Wagen in der israelischen Hauptstadt Jerusalem in an einer Haltestelle wartende Gruppe von Menschen. Bei dem Angriff wurden Shalom Yohai Cherki ermordet und Shira Klein schwer verletzt. In Paris reagierte man so auf den Mord an Shalom Yohai Cherki, der auch einen französischen Paß besaß:

‚Frankreich hat eine Mitteilung der israelischen Polizei über die terroristische Natur eines Angriffs zur Kenntnis genommen, der am 15. April das Leben eines unserer Landsleute, Shalom Yohai Cherki, forderte. Es verurteilt diesen Angriff.

Wir sprechen der Familie unseres Landsmanns unser Beileid aus.

Dieser feige Mord muß vollständig aufgeklärt und die Verantwortlichen der Gerechtigkeit zugeführt werden.‘

‚Frankreich hat zur Kenntnis genommen‘ – es reichte nicht für eine ausdrückliche Verurteilung, und zu Sorge gab es offenbar auch keinen Anlaß. Und selbstverständlich bleibt die Herkunft des Täters unerwähnt, allenfalls widerwillig wird ein terroristischer Anschlag eingeräumt. Man kann das Geschehen zwar nicht leugnen, macht aber deutlich, daß man das gern tun würde.

Elf Monate nach dieser geschmacklosen Demonstration diplomatischen Desinteresses protestiert Paris gegen eine israelische Anti-Terror-Maßnahme, die Wiederaufnahme des Baus des Anti-Terror-Zauns, den Jerusalem vor nunmehr bereits 14 Jahren begonnen hatte, um die ‚palästinensische‘ Gewalt der Zweiten Intifada einzudämmen. Diesmal ist die Grande Nation ehrlich engagiert:

‚Frankreich ist besorgt über die Wiederaufnahme der Arbeiten an der Trennmauer im Cremisan-Tal (Westjordanland) durch die israelischen Behörden, wodurch mehrere Dutzend palästinensische Familien in Bait Dschala beeinträchtigt werden.

Diese Mauer stellt eine erneute Behinderung der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der Stadt Bethlehem dar.

Gemäß dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs vom 9. Juli 2004 verstößt die Errichtung einer Mauer in den besetzten palästinensischen Gebieten gegen internationales Recht.

Daher fordern wir Israel dazu auf, diese Entscheidung nochmals zu überdenken.‘

Besorgnis, Fettschrift, ein Gutachten des Internationalen Gerichtshofs, kein Urteil zwar, aber immerhin, und die deutliche Benennung Verantwortlicher – es ist schon beeindruckend, was Paris alles aufzuführen vermag. Und es ist damit erst recht entlarvend, wie laut es über die Ursachen für den Bau des Anti-Terror-Zauns schweigt. Es gibt, scheint’s, unterstützenswert guten Terror.“ (hier)