FALSCHE BEHAUPTUNGEN

Sehr geehrter Herr Hoffmann-Ostenhof,

Sie schreiben im aktuellen profil, Israel habe sich „durch seine jahrelange Weigerung, mit den Palästinensern über eine friedliche Konfliktlösung zu sprechen, zunehmend isoliert“ und nur internationalem Druck sei es zu verdanken, dass die israelische Regierung wieder an den Verhandlungstisch zurückgekehrt sei. (profil41/2013) Dieser Behauptung liegt eine völlige Verdrehung der Realität der letzten Jahre zugrunde: Anders als Sie es darstellen, hat Israels Regierungschef Netanjahu die Palästinenser unter Mahmoud Abbas wiederholt dazu aufgerufen, die ins Stocken geratenen Verhandlungen wieder aufzunehmen – genauso übrigens, wie das so genannte Nahostquartett, das die Konfliktparteien mehrfach zu Verhandlungen „ohne Verzögerungen oder Vorbedingungen“ aufforderte. Tatsächlich war es die palästinensische Seite, die sich jahrelang einer Wiederaufnahme von Verhandlungen verweigerte und eine Reihe von Vorbedingungen formulierte, ohne deren Erfüllung sie zu keiner Art von bilateralen Gesprächen bereit war. Erst auf massiven Druck von US-Außenminister John Kerry hin erklärte sich Abbas bereit, diese Vorbedingungen fallen zu lassen und an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Sie mögen die mehr oder weniger plausible Ansicht vertreten, dass Israel für das Stocken des Friedensprozesses verantwortlich sei, aber Sie sollten zu diesem Zwecke nicht einfach die Realität auf den Kopf stellen und nachweislich falsche Behauptungen verbreiten.

Mit freundlichen Grüßen,
Mag. Florian Markl
Medienbeobachtungsstelle Naher Osten (MENA)


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