Europa ist naiv, was die De-Radikalisierung von Jihadisten betrifft

By VOA – Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=39846340

„Von den zahlreichen Rückkehrern, die [David] Thomson [für sein Buch ‚Les Revenants] interviewt hat, waren die meisten reuelos. Nur einer – Zoubeir – hat mit den Behörden zusammengearbeitet, um in seinem Umfeld die antiislamistische Botschaft zu verbreiten. ‚Sie sind weiterhin Dschihadisten’, erklärte Zoubeir mit Blick auf seine ehemaligen Kameraden. ‚Das ist der Grund, warum die meisten nicht bereit sind, gegen andere auszusagen … Sie halten Frankreich für gottlos, für einen Feind des Islam, der ihre Brüder bekämpft.’ Thomsons Buch legt auch dar, mit welcher Verachtung die Islamisten die westlichen Bestrebungen, sie zu entradikalisieren, betrachten. ‚Mir ist unklar, wie man diese Leute entradikalisieren kann, denn sie halten sich nicht für Radikale, sondern für Muslime, die sich an den Koran halten’‚ so Zoubeir.

Die Islamistin Lena erklärte Thomson, der Tag, an dem die Zeichner von Charlie Hebdo ermordet wurden, sei einer der schönsten Tage ihres Lebens gewesen. Der Westen begreife die Tiefe ihres Glaubens nicht. ‚Es ist komisch’, sagte sie. ‚Sie reden mit uns, als seien wir Versager … doch für mich ist Entradikalisierung nur ein umständlicher Begriff, den sie sich ausgedacht haben’. Ein andere Frau, Safya, schilderte, wie sie nach ihrer Rückkehr nach Frankreich die Geduld mit ihren Geheimdienstvernehmern verloren habe. Sie wurde wiederholt gefragt, warum sie sich weigere, die Köpfung von Geiseln durch den Islamischen Staat zu verurteilen. ‚Es steht in der Sharia’, entgegnete sie ihnen immer wieder. ‚Ich brauche nicht dafür oder dagegen zu sein. Sharia ist Sharia. Punkt!’ Viele Franzosen, die für den Islamischen Staat kämpften, bleiben inhaftiert.  Doch ist das in sich ein Grund zur Sorge. Thomson beschreibt die Gefängnisse europaweit als die Universitäten der Dschihadisten. Dort können die im Kampf erprobten Krieger leicht beeinflussbare junge Muslime radikalisieren, die wegen geringer Vergehen inhaftiert sind. Diese Woche wurde berichtet, Gefangenen in Belgien würden inzwischen Briefe unter den Zelltüren hindurchgeschoben, die sie dazu einladen, sich dem Islamischen Staat anzuschließen.

Vorerst wahrt Europa seinen blinden Glauben an sein gegenwärtiges Vorgehen. ‚Langfristig werden die Behörden und die Communities vor Ort zusammenarbeiten müssen, um die Rückkehrer zu resozialisieren und in die Gesellschaft zu integrieren’, hieß es vor kurzem in einem vom Radicalization Awareness Network der EU-Kommission veröffentlichten Bericht. Schwedens Kultur- und Demokratieministerin Alice Bah Kuhnke äußerte sich vor einigen Monaten ähnlich. Man brauche ‚landesweit Strukturen vor Ort, beispielsweise Sozialdienste, um sie wieder in unsere demokratischen Gesellschaft zu integrieren’, erklärte sie. Menschen wie Kuhnke sind wohl nicht darauf gekommen, dass die Rückkehrer vielleicht gar nicht re-integriert werden wollen, und dass alle wohlmeinenden sozialen Initiativen der Welt nicht genügen werden, sie in die säkulare Kultur, die sie verachten, zu integrieren.“ (Gavin Mortimer: „The West is delusional about de-radicalising jihadists“)

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