Eine Farce im Iran

„Das ‚politische Spektrum im Iran deckt viel mehr ab, als nur Reformisten und Hardliner‘, hörte ich vor einigen Monaten einen weisen Diplomaten sagen. Sein subtiler Tadel fällt mir nun wieder ein, da Iran sich für eine weitere potemkinsche Wahl am Freitag rüstet, bei der Wähler die Wahl zwischen zwei leicht unterschiedlichen Ausprägungen des Hardline-Islams haben. Wäre er noch am Leben, Ayatollah Khomeini wäre von der Fähigkeit seines Regimes, ausländische Beobachter zu täuschen, entzückt. Durch die Zulassung einiger gewählter Organe, die zahnlos sind und von zahlreichen nichtgewählten Körperschaften in Schach gehalten werden, lieh Khomeini der theokratischen Diktatur den Schein quasidemokratischer Legitimation.

So gelangen wir denn zu der heutigen Sportberichterstattung über die Wahlen im Iran. Ausländische Reporter studieren Meinungsumfragen (in einem Land, in dem man wegen einer Äußerung auf Facebook zum Tode verurteilt werden kann); reisen im Iran umher, um Wähler zu interviewen (denen die begleitenden Aufpasser des Regimes im allgemeinen auffallen); und schreiben subtil-nachdenkliche Kommentare (als gehe es um eine Bürgermeisterwahl irgendwo im mittleren Westen der USA und nicht um ein vorsichtig choreografiertes Manöver in einer der am wenigsten freien Gesellschaften der Welt). Es gibt nur eine Möglichkeit, dieser Farce ein Ende zu bereiten: iranische Wähler sollten die Stimmabgabe in einem Akt des gewaltfreien zivilen Widerstands boykottieren.“ (Sohrab Ahmari: „An Iranian Voter’s Guide: Don’t Vote“)

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