Ein Satiremagazin für den türkischen Feminismus

„[Die Istanbuler Vorstadt] Avcılar ist auch die Heimat von Ezgi Aksoy und Feyhan Güver, die beide – in leitender Position – an einem einmaligen Medienexperiment teilnehmen: an Bayan Yanı, einem Satiremagazin, das Cartoons veröffentlicht, die von Frauen gezeichnet werden. ‚Alles begann im März 2011 mit unserer ersten Einzelausgabe‘, erinnert sich Aksoy. ‚Wir versammelten Autorinnen und Karikaturistinnen um uns, die bereits für ein anderes Satiremagazin mit dem Namen Le Man gearbeitet hatten (Le Man war damals – gemeinsam mit Penguen und Uykusuz – eines der drei größten Satiremagazine der Türkei). Für den Internationalen Frauentag wollten wir eine besondere Zeitschrift herausgeben, da die Frauenrechte in der Türkei immer stärker unter Druck gerieten. Wir produzierten die erste Ausgabe, und nach vielen ermutigenden Rückmeldungen entschieden wir uns, weiter zu machen.‘ Seit dieser ersten Veröffentlichung sind inzwischen sechs Jahre vergangen, und Bayan Yanı erscheint inzwischen jeden Monat. Die Ausgaben beschäftigen sich nicht nur mit dem endlosen politischen Chaos des Landes, sondern auch mit den Problemen des täglichen Lebens – wo aggressive Sprache, häusliche Gewalt und tödliche Angriffe gegen Frauen immer weiter zunehmen. Für die Autorinnen des Magazins lassen sich diese beiden Aspekte nur schwer voneinander trennen. (…)

Unser Magazin heißt Bayan Yanı, was man auch als ‚Frauen Seite an Seite‘ übersetzen könnte, so Aksoy. Der Titel nimmt eine besondere Art von Geschlechtertrennung in der Türkei aufs Korn: ‚In den Langstreckenbussen dürfen Frauen und Männer nur dann nebeneinander sitzen, wenn sie Verwandte oder Freunde sind‘, erklärt sie. Damals, als das Projekt begann, gab es einen Zeitungsartikel über eine Frau, die den letzten freien Sitz in einem Bus buchen wollte. Dazu hätte sie aber neben einem Mann sitzen müssen. ‚Das Busunternehmen hat ihr das Ticket nicht verkauft. Diese Regel ist deshalb ziemlich grotesk, weil sie nur für Überlandbusse gilt und nicht für andere Transportmittel wie Flugzeuge oder Stadtbusse.‘ (…) Bayan Yanı hat eine treue Stammleserschaft und über 360.000 Fans auf Facebook. ‚Zu vielen unserer Leserinnen haben wir eine sehr starke Verbindung. Bayan Yanı ist ein Teil ihres Lebens. Wenn sich beispielsweise die Herausgabe einet Nummer etwas verzögert, werden wir stets ungeduldig gefragt, wann sie denn nun endlich erscheint‘, erzählt Aksoy.“ (Clément Girardot:Mit Satire und Humor für den türkischen Feminismus“)

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