„Durch massive Präsenz jüdischer Gläubiger angeheizt“: Der skandalöse Umgang österreichischer Medien mit palästinensischem Terror

Kaum ein Tag vergeht, an dem Palästinenser keine mörderischen Terrorangriffe auf israelische Juden begehen. In österreichischen Medien wurde die Gewaltwelle kaum erwähnt, über Anschläge nicht berichtet und blieben jüdische Terroropfer unerwähnt. Der Vergleich mit der Berichterstattung über einen mutmaßlich von Israelis begangenen Terroranschlag auf Palästinenser vor wenigen Wochen zeigt das skandalöse Ausmaß der medialen Verzerrung, in der palästinensischer Terror verschwiegen und verharmlost wird.
 

Ein „Traumpaar“, ermordet vor den Augen seiner Kinder

Naama und Eitan Henkin waren mit ihren vier Kindern, das jüngste gerade einmal vier Monate alt, in ihrem Auto im nördlich von Ramallah unterwegs, als sie von palästinensischen Terroristen unter Beschuss genommen wurden. Naama Henkin wurde auf dem Beifahrersitz des Wagens sofort getötet. Ihr Mann konnte gerade noch eine Hintertür öffnen und die Kinder zur Flucht auffordern, bevor er tot zusammenbrach. Bevor die Mörder den Ort ihrer Bluttat verließen, vergewisserten sie sich, dass ihre Opfer wirklich tot waren. Nachbarn und Bekannte beschrieben die beiden Ermordeten als ein „Traumpaar, das im Leben und im Tod unzertrennlich war. … Sie waren etwas Besonderes, gute Menschen, sehr bescheiden“.
 

Die ungeschriebenen Gesetze der Israel-Berichterstattung

Österreichische Medien hielten sich angesichts der kaltblütigen Morde palästinensischer Terroristen an die zwei ungeschriebenen Regeln der Berichterstattung über den israelisch-palästinensischen Konflikt: Erstens: Palästinensischer Terrorismus gegen Israel an und für sich ist kein Thema, die seltenen von Israelis begangenen Terroranschläge gegen Palästinenser sorgen dagegen für Schlagzeilen. Opfer von Gewalt sind also nur von Interesse, wenn es sich um von Israelis getötete Palästinenser handelt. Von palästinensischen Terroristen ermordete Israelis sind ebenso uninteressant wie Palästinenser, die den ‚eigenen Leuten‘ zum Opfer fallen. Zweitens: Die Palästinenser wollen Frieden, die Israelis wollen ihn dagegen verhindern.

Im konkreten Fall hieß das, dass der Großteil der österreichischen Medien den tödlichen Terrorangriff vom vergangenen Donnerstag zunächst einmal komplett ignorierte. In den Printausgaben des Standard, der Salzburger Nachrichten, der Kronen Zeitung und der Wiener Zeitung sowie in den Nachrichtensendungen des ORF wurde mit keinem Wort über ihn berichtet.
 

„Siedlerfamilie“

Lediglich zwei Medien, der Kurier und die Presse, erwähnten den Vorfall – und die Art und Weise, in der sie das taten, sprach Bände. Zum Vergleich: Als Ende Juli mutmaßliche jüdische Terroristen einen Brandanschlag auf ein von Palästinensern bewohntes Haus im Westjordanland unternahmen, bei dem drei Menschen, darunter ein Kleinkind, getötet wurden, berichteten sämtliche österreichische Medien lang und breit darüber. Auf der Kurier-Titelseite prangte damals die Überschrift:


Kurier, 4. Aug. 2015

Im Blattinneren folgte ein langer Artikel über „radikale Siedler“, die immer öfter Gewalt gegen Palästinenser verübten. (Kurier, 4. Aug. 2015) In den kommenden Tagen beschäftigen sich noch zwei weitere Beiträge mit dem Brandanschlag im Westjordanland. (9. Aug. 2015, 10. Aug. 2015)

Zum Terroranschlag vom vergangenen Donnerstag fand sich weder eine Schlagzeile am Titelblatt, noch ein längerer Artikel im Blattinneren, sondern lediglich eine Kurzmeldung unter dem Titel: „Zwei israelische Siedler erschossen“. In weiterer Folge war von einer „jüdischen Siedlerfamilie“ die Rede. Ferner hieß es, eine „Gruppe junger Siedler“ habe aus Rache für die Morde palästinensische Autos attackiert, die Hamas habe die „Attacke auf die Siedlerfamilie“ begrüßt. (Kurier, 3. Okt. 2015) In der Berichterstattung über den israelisch-palästinensischen Konflikt ist kaum ein Begriff so pejorativ besetzt wie der des „jüdischen Siedlers“. Die gleich mehrfache Verwendung dieses belasteten Begriffs durch den Kurier, nicht zuletzt in der Überschrift der Kurzmeldung, signalisierte einen völligen Mangel an Empathie mit den Opfern des Terroranschlags.

Auch die Presse berichtete Anfang August ausführlich über den Brandanschlag in Duma. Detailreich beschrieb Susanne Knaul unter dem Titel „Racheschwüre nach Babytod“ die Attacke, bei der der „kleine Ali“ getötet wurde, und wie es dem Familienvater „mit letzter Kraft“ gelungen sei, wenigstens noch dessen Bruder „aus den Flammen zu ziehen“. Darüber hinaus zitierte Knaul „Palästinenserpräsident“ Mahmud Abbas, der von einem „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ sprach (Presse, 1. Aug. 2015):


Presse, 1. Aug. 2015

In den Tagen danach erschienen in der Presse vier weitere Beiträge zu dem Brandanschlag und zu seinen Folgen. (2. Aug. 2015, 3. Aug. 2015, 4. Aug. 2015)

Die Morde vom vergangenen Donnerstag wurden dagegen nur in einem kurzen Absatz am Ende eines längeren Artikels über die Rede von Premier Netanjahu bei der UNO-Generalversammlung erwähnt.


Presse, 2. Okt. 2015

Darin hieß es, bei einem „mutmaßlichen palästinensischen Anschlag“ seien „nach Angaben der Armee zwei Israelis getötet worden“. Ein Angreifer habe das Feuer „auf ein israelisches Fahrzeug“ eröffnet. „Dabei wurde ein Elternpaar tödlich verletzt.“ (Presse, 2. Okt. 2015) Die Kinder, vor deren Augen die beiden Israelis ermordet wurden, blieben unerwähnt. Während Knaul sich im August noch bemüht hatte, den palästinensischen Terroropfern ein Gesicht und eine Geschichte zu geben, wurden ihre Bemerkungen jetzt von extremer Distanz und Nüchternheit charakterisiert.
 

„Moderate“ Fatah bekannte sich zu den Morden

Dass nur Presse und Kurier sich dem Terroranschlag vom Donnerstag widmeten, war umso erstaunlicher, als die Bluttat nicht nur eine menschliche, sondern auch eine politische Seite hatte. Denn noch am Donnerstag erklärte ein Mitglied des Fatah-Zentralkomitees via Facebook, für die Ermordung des israelischen Elternpaares seien die al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden verantwortlich, der „militärische Flügel der Palästinensischen Nationalen Befreiungsbewegung Fatah“. Das war insofern brisant, als die Gewalttat somit nicht auf eine der „extremistischen“ palästinensischen Gruppierungen wie Hamas oder Islamischer Dschihad zurückging, sondern eben auf die Fatah – deren Chef niemand geringerer ist als der Führer der PLO und Vorsitzende der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA), Mahmud Abbas. (Ob die Fatah tatsächlich hinter dem Anschlag steckt, tut wenig zur Sache. Gut möglich, dass sie sich zu einer Tat bekennt, die jemand anderer begangen hat. Entscheidend ist, dass sie das Bekenntnis zu den Morden für vorteilhaft hält.)


Fahne der Fatah, Israel existiert darauf nicht

Damit war die Gemengelage beisammen, die dazu führte, dass Österreichs Medien diese Geschichte so gut wie verschwiegen: Zum einen ging es um palästinensischen Terror, dem Israelis zum Opfer fielen. So etwas findet nur in besonders drastischen Fällen Eingang in die Berichterstattung. Zum anderen bekannten sich ausgerechnet jene Palästinenser zu den Morden, die man sich hierzulande stets als die „Moderaten“ zurechtlügt, um die Fiktion aufrecht erhalten zu können, friedenssuchende Palästinenser würden von kriegsversessenen Israelis an der Verwirklichung ihres Traumes gehindert. Während nach dem Terroranschlag auf eine palästinensische Familie Ende Juli die Gewalttat in Israel vom Präsidenten abwärts in deutlichen Worten verurteilt wurde, war nach den Morden am Donnerstag von der palästinensischen Seite kein Wort des Bedauerns oder der Verurteilung der Gewalt zu hören. Ganz im Gegenteil: Die „moderate“ Fatah brüstete sich mit dem Terrorakt, die Hamas bejubelt ohnehin jede Barbarei, der Juden zum Opfer fallen.

Weil die Morde im Westjordanland somit beiden oben genannten ungeschriebenen Regeln der Berichterstattung widersprachen, wurden sie weitgehend verschwiegen. So konnte es geschehen, dass just am Tag nach dem tödlichen Anschlag in der Wiener Zeitung eine „Analyse“ des Scheiterns des sogenannten Oslo-Friedensprozesses erschien, in der behauptet wurde, Israel versuche mit allen Mitteln eine Lösung des Konflikts zu verhindern, vom palästinensischen Terrorismus aber mit keinem einzigen Wort die Rede war.
 

Israelische Polizei erschießt Palästinenser

Auf die Morde vom Donnerstag folgten mehrere Terrorangriffe auf jüdische Israelis in Jerusalem. Am Samstag attackierte ein Palästinenser eine jüdische Familie in der Altstadt von Jerusalem. Der Familienvater wurde erstochen, ebenso ein zur Hilfe eilender Mann. Die Mutter und ein zwei Jahre altes Kind wurden verletzt. Umstehende Araber, die den Angriff beobachtet hatten und von der Frau um Hilfe gebeten worden waren, spuckten sie an, lachten sie aus, applaudierten dem Angreifer und schrien, sie solle ebenfalls sterben.

In der Nacht zum Sonntag ereignete sich in Jerusalem noch eine weitere Messerattacke eines Palästinensers, bei der ein Jude verletzt wurde. Im Westjordanland kam es in den vergangenen Tagen immer wieder zu palästinensischen Angriffen auf israelische Soldaten, bei Zusammenstößen sollen Hunderte Palästinenser verletzt worden sein.

Jetzt, da es auch wieder palästinensische Opfer gibt, für deren Verletzungen oder Tod israelische Soldaten verantwortlich gemacht werden können, ist auch hierzulande das mediale Interesse erwacht. „In Israel nehmen die Spannungen zwischen Palästinensern und Israelis weiter zu“, berichtete die ZiB. „In Jerusalem hat die Polizei zwei Palästinenser erschossen, die mit Messern auf Israelis losgegangen waren.“ (ZiB, 4. Okt. 2015) Dass bei den Attacken der Palästinenser zwei Israelis ermordet und mehrere andere verletzt worden waren, das wurde nicht dazugesagt: Israelis haben Palästinenser erschossen, allein das zählt.

Der Kurier wusste über „Vier Tote in Jerusalem bei Messerattacken“ zu berichten – der Einfachheit halber wurde in der Überschrift der Kurzmeldung die Gesamtzahl der Toten genannt. Dass zwei von ihnen die Angreifer waren, die anderen beiden dagegen ermordet wurden, dieser Unterschied wurde eingeebnet. (Kurier, 5. Okt. 2015)
 

Auf Spurensuche: die „massive Präsenz jüdischer Gläubiger“

Während die Salzburger Nachrichten sich weiter über die Gewaltwelle völlig ausschweigen, begeben sich andere Medien auf Ursachenforschung. Die Kleine Zeitung berichtete: „Die Messerattacken dürften ein Racheakt gewesen sein – Stunden zuvor waren bei einer Razzia der israelischen Armee nach der Ermordung eines jüdischen Siedlerpaares im Westjordanland zehn Menschen verletzt worden.“ (Kleine Zeitung, 5. Okt. 2015) So wurden mit vier Tagen Verspätung schließlich auch die Morde im Westjordanland zumindest einmal erwähnt, wenn auch nur mit dem üblichen Spin: Die Messerattacken der Palästinenser seien eine Reaktion auf das Vorgehen der israelischen Armee gewesen. Ob es einen solchen Zusammenhang gibt, kann die Kleine Zeitung natürlich nicht wissen, behauptet es aber trotzdem, weil ja jede palästinensische Gewalttat auf irgendein israelisches Vergehen zurückgeführt werden muss.

Auf Spurensuche begab sich auch Susanne Knaul, die in der Presse meinte, die Gewaltwelle sei durch eine „massive Präsenz jüdischer Gläubiger während der Feiertage (Laubhüttenfest) angeheizt“ worden. (Presse, 5. Okt. 2015) Sie bezog sich dabei auf Juden, die den Tempelberg hatten besuchen wollen, wie es ihnen seit Jahrzehnten erlaubt ist. Dass die Gewalt begann, als Palästinenser sie daran hindern wollten, israelische Sicherheitskräfte attackierten und sich in der al-Aqsa-Moschee verschanzten, kam bei Knaul nicht zur Sprache. Nicht palästinensische Gewalt soll also am Ausgang der Eskalation stehen, sondern die „massive Präsenz jüdischer Gläubiger“.
 

Alles beim Alten: Die Juden sind schuld

Damit hat alles wieder seine gewohnte Ordnung: Wenn man die Anwesenheit von Juden verantwortlich machen kann, wen interessiert da schon die Hetze, mit der die palästinensische Führung von Mahmud Abbas abwärts seit Wochen die Gewalt schürt? Kein einziges österreichisches Medium hat es für wert befunden, über Abbas‘ antisemitische Tiraden über die „dreckigen Füße der Juden“ zu berichten, die niemals die al-Aqsa-Moschee „beschmutzen“ dürften. Niemand interessierte sich hierzulande für die religiös verbrämten Aufrufe zur Gewalt aus dem Munde des „moderaten“ Abbas: „Wir segnen jeden Tropfen Blut, der für Jerusalem vergossen wurde. Es ist sauberes und reines Blut, Blut, das für Allah vergossen wurde, so Allah es will. Jeder Märtyrer wird das Paradies erreichen, und jeder Verwundete wird von Allah belohnt werden“ – so hetzt einer, der hierzulande stets als palästinensische Friedenshoffnung porträtiert wird.


Mahmud Abbas und Barack Obama, Quelle: White House

Wenn Palästinenser Juden attackieren, dann sind der Lesart österreichischer Medien zufolge die Juden schuld. Wenn ein palästinensischer Terrorist Juden ersticht, dann als Rache für israelisches Militärvorgehen. Wenn Gewalttäter am Tempelberg randalieren, dann wegen der „massiven Präsenz jüdischer Gläubiger“. Wenn ein jüdisches Ehepaar vor den Augen seiner Kinder ermordet wird, dann braucht man nur die Worte „Siedler“, „Siedlerpaar“, „Siedlerfamilie“ usw. verwenden, um den Ermordeten zumindest eine Mitschuld an ihrem Tod zu geben – handelte es sich nicht um „radikale“ Juden, die in einer jener „illegalen Siedlungen“ lebten, die man so gern zum „Haupthindernis für den Frieden“ stilisiert?
 

Abbas findet doch Worte der Verurteilung – für Israel

Nach Tagen des Schweigens fand die Führung der PA schließlich doch noch Worte der Verurteilung – nicht für die palästinensischen Terrorattacken freilich, sondern für die israelischen Sicherheitskräfte, die die Angreifer erschießen konnten. In einem schriftlichen Kommuniqué verurteilte die PA „the killing of two young men in occupied Jerusalem and the series of incursions into cities and villages in the West Bank“ und forderte die internationale Gemeinschaft zum Einschreiten auf.

So sieht die palästinensische Logik aus: Wenn Israel nicht tatenlos zusehe, wie seine Bürger von palästinensischen Terroristen ermordet werden, müsse die internationale Gemeinschaft gegen den jüdischen Staat intervenieren. Über diese Forderung allerdings werden Sie morgen mit Sicherheit in allen Medien informiert.

Lesen Sie morgen: Khamenei, Assad, Putin, Abbas – wenn Lügen und Heuchelei unwidersprochen bleiben.


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