Dreiste Irreführung: Farid Hafez in der Presse

Sehr geehrte Presse-Redaktion,

Farid Hafez bestreitet in seiner Replik auf Michael Ley die Existenz eines „muslimischen Antijudaismus“ u. a. mit der Bemerkung, es „sollte nicht vergessen werden, dass der Prophet Muhammad selbst eine Jüdin ehelichte.“

Als Argument kann er das nur vorbringen, weil er auf das Unwissen der Leser hofft: Safiyya bint Huyayy, die elfte Ehefrau Mohammeds, entstammte der Überlieferung zufolge wirklich einem jüdischen Stamm. Der Redlichkeit zuliebe sollte man aber dazusagen: Die Banu Nadir wurden vom Propheten und seinen Kriegern zuerst aus Medina vertrieben; nach der „Grabenschlacht“ wurde die Festung, in der sie Unterschlupf fanden, bis zur Kapitulation belagert. Daraufhin wurden, unter tätiger Mitarbeit Mohammeds, sämtliche Männer enthauptet und alle Frauen und Kinder von den Muslimen versklavt. Unter den Getöteten befand sich auch der Vater von Safiyya, der in der frühesten autoritativen Biographie über das Leben des Propheten von Ibn Ishaq stets als „Feind Gottes“ bzw. „Gottesfeind“ bezeichnet wird. Safiyya selbst wurde, bevor Mohammed sie „ehelichen“ konnte, bei der Eroberung einer anderen Festung gefangen genommen.

Die Geschichte eines jüdischen Stammes, der von den Muslimen unter der Führung des Propheten vertrieben, versklavt und ermordet wurde, präsentiert Hafez also ausgerechnet als Beleg für das Fehlen eines islamischen Antijudaismus. Ein derartig dreister und, wie anzunehmen ist, völlig bewusster Versuch der Irreführung der Leser disqualifiziert sich selbst und sollte eigentlich in keiner ernsthaften Debatte akzeptiert werden.

Mit freundlichen Grüßen,
Mag. Florian Markl
Medienbeobachtungsstelle Naher Osten (MENA)


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