Die Start-up-Nation Israel

start-up-nation„Es gibt Momente, da lässt sich leicht vergessen, dass Israel ein Hightech-Staat ist. Jerusalems schlechtere Viertel sind vermüllt und verstaubt wie ein Slum. Tel Aviv, die Start-up-Hauptstadt, hat es bis heute nicht geschafft, eine Straßenbahn zu bauen. Und doch wurden der USB-Stick dort erfunden, die Tröpfchenbewässerung in der Landwirtschaft und der erfolgreichste Intel-Prozessor, um nur die bekanntesten Produkte zu nennen. (…) Für den israelischen Erfindergeist werden oft romantische Erklärungen bemüht: eine Gesellschaft von Pionieren in einer feindlichen Region, vom ständigen Überlebenskampf zu Mut und Scharfsinn gezwungen. An all dem mag etwas dran sein. Nur: Ohne Geld wird aus keiner Idee ein Produkt. Und die Chance, Risikokapital zu bekommen, ist in Israel viel größer als in den USA, Frankreich oder Deutschland. 2015 wurden in dem kleinen Land mehr als eine Milliarde Dollar Risikokapital eingeworben – pro Einwohner ein Drittel mehr als in den USA und zehnmal so viel wie in Europa. (…)

Während in Deutschland große Nähe zwischen Hochschulen und Industrie oft Misstrauen weckt, ist sie in Israel ausdrücklich erwünscht: Jede Forschungsuniversität unterhält eine eigene Firma, um geistiges Eigentum zu verwerten. Diese Firmen sind für 73 Prozent der jährlichen Patentanträge in Israel verantwortlich. Und dann ist da noch das Militär: In Be’er Scheva soll auch ein Armee-Campus entstehen, für die Rekruten der Hightech-Einheiten. Diese Soldaten, besonders der Eliteverband 8200, haben viele erfolgreiche Entrepreneure hervorgebracht, darunter die Gründer von CheckPoint, Palo Alto Networks und Waze. Business Insider nannte 8200 ‚die beste Hightech-Schule der Welt‘. (…) Die enge Verschränkung von militärischer und ziviler Welt, für deutsche Gemüter ungewohnt bis befremdlich, wird von den meisten Israelis als selbstverständlicher Fakt des Alltags gesehen – schließlich dient so gut wie jeder jüdische Israeli, Frauen und Männer, Linke und Rechte, in der Armee.“

(Mareike Enghusen: „Wirtschaftswunderland“)

 

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