Mahmud Abbas führt einen Kampf gegen seine Bedeutungslosigkeit

„Am Dienstag versammelte der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde die Anführer des Jerusalemer Zweigs der Tanzim-Brigaden, des militärischen Arms der Fatah, in seinem Büro in Ramallah. Ihm war klar, dass Israel ihm, indem es die Metalldetektoren entfernte, den Boden unter den Füßen weggezogen hatte, und er und seine Fatah-Bewegung sich demnach in großen politischen Schwierigkeiten befinden. Wenn man Abbas in der Vergangenheit für schwach hielt, so gilt er der palästinensischen Öffentlichkeit inzwischen einfach als irrelevant. Er spielte in der sich entwickelnden Krise um den Tempelberg keine Rolle und war auch nicht an den Versuchen beteiligt, sie beizulegen. Hochrangigen palästinensischen Quellen zufolge hielten die Jordanier die Anführer der PA über das mit Israel erreichte Abkommen zur Entfernung der Metalldetektoren und Kameras nicht einmal auf dem Laufenden.

Demnach soll die Entscheidung der palästinensischen Führung, den Konflikt weiter zu eskalieren, nicht nur an Israel, sondern auch an Jordanien eine Botschaft senden: Wer versucht, uns im Zusammenhang mit dem Tempelberg zu ignorieren oder unsere Rolle zu untergraben, wird eine Intifada in Ostjerusalem und im Westjordanland ernten. Wir haben es jetzt also mit dem Überlebenskampf von Abbas und seiner Fatah-Bewegung zu tun. Abbas hat die Tanzim-Fraktion ermächtigt, die Demonstrationen und Kundgebungen am Freitag zu organisieren. Wie das ausgehen wird, weiß niemand. Es ist durchaus vorstellbar, dass es zu Schusswechseln mit Soldaten der israelischen Streitkräfte mit Verletzten und Toten kommt. Es könnte sich auch ein Szenario ergeben, von dem in den vergangenen Jahren mehrfach die Rede war und das alle für eine Intifada erforderlichen Zutaten enthielte. Gut wird es auf jeden Fall nicht ausgehen. (…) Die Autonomiebehörde hat all die Jahre das Loch im Deich gestopft und einen allgemeinen, mit viel größerer Gewalt einhergehenden Zusammenbruch aufgehalten. Sie verhinderte ausgedehnte Demonstrationen während des kürzlich durchgeführten Gefangenenstreiks und hat in den letzten Jahren Hunderte Verdächtige verhaftet, die Terroranschläge planten. Nun hört die palästinensische Öffentlichkeit andere Töne von ihrer Führung, die Eskalation und Konfrontation predigt. Deshalb ist die Gefahr so groß. Wenn in den kommenden Tagen nicht etwas dramatisch Positives geschieht, könnten wir uns auf dem Weg in den Abgrund befinden.“ (Avi Issacharoff: „The Temple Mount crisis – far from over, it’s really just beginning“)

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