„Die Kooperation mit türkischen Islamverbänden auf ein Minimum beschränken“

guido-steinbergGuido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, der in Österreich u.a. als Sachverständiger in einem Dschihadisten-Prozessen in Graz fungierte, plädiert dafür, entschieden dem Islamverband DITIB entgegenzutreten, der unter Kontrolle der türkischen Religionsbehörde eine aggressive und autoritäre Linie vertritt. Der österreichische Ableger ATIB stellt aktuell den Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich.

„Lange hieß es in Wissenschaft, Politik und Medien, dass die Muslimbrüder als eher ‚moderate‘ Islamisten ein Partner des Westens werden können. Die Vertreter der letztgenannten Position verwiesen gerne auf die Türkei, denn die dort regierende AK-Partei des Präsidenten Erdogan – die aus dem türkischen Ableger der Muslimbruderschaft hervorgegangen ist – galt ihnen als Beleg, dass Islamisten sich vom Extremismus abwenden und sogar zu Demokraten werden können, wenn man sie durch Wahlen an die Macht gelangen lässt. Seit spätestens 2010 taugt die Türkei nun auf keinen Fall mehr als Beleg für diese These, denn seit es den ehemaligen Reformislamisten gelungen ist, die Macht des Militärs zu mindern, haben sie nicht nur begonnen, einen autoritären Staat aufzubauen, sondern auch, diesen immer rücksichtsloser zu islamisieren und eine puristische, intolerante und sektiererische Islaminterpretation zu verbreiten.

Das Problem für Deutschland ist, dass diese Politik längst auch die staatliche türkische Religionsbehörde Diyanet erfasst hat, die wiederum die in Deutschland aktive Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion, kurz DITIB, kontrolliert. Damit sind die Muslimbrüder in Deutschland längst nicht mehr die kleine Minderheit von einst, denn mit DITIB hilft auch der größte türkische religionspolitische Akteur in Deutschland dabei, den Trend zu einer bestenfalls immer konservativeren Islaminterpretation zu verstärken.

Bund und Länder werden nicht vollständig verhindern können, dass sich islamistisches Gedankengut auch unter deutschen Muslimen verbreitet. Doch sollten sie einschreiten, wenn ein Staat wie die Türkei versucht, einen solchen Trend durch eine aggressive und autoritäre Religionspolitik in Deutschland zu verstärken. Kooperationen mit der DITIB müssen auf ein absolutes Minimum beschränkt werden und ihre Aktivitäten und die ihrer Mitgliedsvereine verstärkt überwacht werden, immer mit dem Ziel, ihren Einfluss so weit es geht zurückzudrängen.“

(Guido Steinberg: „Der Siegeszug islamistischen Denkens“)

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