Die Islamverbände sind der Integration abträglich

„Es ist ein beunruhigender Befund, weil sich allmählich eine Parallelgesellschaft etabliert. Das Leben in den 300 Moscheen der Schweiz ist sehr abgeschottet vom Rest der Gesellschaft. Niemand weiß, was dort gepredigt wird, was dort überhaupt stattfindet. In einigen Moscheen werden wirklich radikale Prediger aus den Balkanstaaten, der Türkei oder Saudi-Arabien eingeladen, um dort ihre Ideologie zu verbreiten. Sie werden auch an andere Moscheen weitergereicht und wandern oft durch ganz Europa. So wurde die Schweiz zu einer islamistischen Drehscheibe. (…) Es gibt ganz enge Verbindungen zwischen den Moscheen in Österreich, der Schweiz und Deutschland, nicht nur wegen der Sprache und der geografischen Nähe, sondern weil bestimmte – bosnische, albanische, arabische und türkische – Verbände international denken und handeln. Wir wissen, dass die UETD, die Union Europäisch-Türkischer Demokraten, eine Zentrale in Köln hat, von der aus alle türkischen Moscheen im deutschsprachigen Raum im Blick gehalten werden. In der Schweiz pflegt ein Österreicher, ursprünglich aus Mazedonien, der eine äußerst konservative Lesart des Islam vertritt, die Kontakte zu Österreich. Diese Vernetzung ist in den meisten Moscheen eine Selbstverständlichkeit. (…)

Ich denke, dass die überwiegende Mehrheit der Moscheen Werte vertritt, die mit einer demokratischen und auch freiheitlichen Gesellschaft nicht übereinstimmen. Wir müssen den Mut aufbringen, zu sagen, wenn eine Moschee gegen die Gesellschaft arbeitet, dann muss sie geschlossen werden. Da stellt sich wirklich die Frage: Was ist deren Ziel? Warum sind sie überhaupt in Europa, wenn sie gegen diese Gesellschaft arbeiten? Ich sehe das oft in den Online-Foren arabischer Zeitungen, dass selbst in muslimischen Ländern viele Menschen nicht verstehen, warum Menschen, die nach Europa gehen und das Privileg haben, dort in Freiheit zu leben, gegen die demokratische Gesellschaft arbeiten, die sie aufgenommen hat. (…) Es braucht einen Neustart in dem Sinne, dass man den Fokus der Integration auf die große Mehrheit der Muslime legt, die perfekt integriert, absolut laizistisch sind, und wenn überhaupt in Glaubensfragen aktiv oder tätig, dann sicher nicht politisch, und die nicht in Moscheeverbänden organisiert sind. Diese liberalen Kräfte sind viel repräsentativer für die muslimische Bevölkerung, sie müssen politisch einbezogen werden, denn die Verbände verfolgen rein politische Ziele. Seit 20 Jahren sagen sie uns, sie würden für die Integration arbeiten, aber größtenteils tun sie das Gegenteil. (Interview mit Saïda Keller-Messahli: „Allmählich etabliert sich eine Parallelgesellschaft“)

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