Iran: Die Furcht des Regimes vor einem „sexuellen Putsch“

Sexualität ist im Iran ein Tabuthema. Aber die junge Gesellschaft will Aufklärung und mehr sexuelle Freiheiten. Aus dem Exil kommt nur wenig Unterstützung, dennoch scheint sie wirkungsvoll zu sein. Die Moralapostel im Gottesstaat warnen vor einem ‚von den Amerikanern angezettelten sexuellen Putsch‘. Sie verlangen vom Staat nach Lösungen für ‚das Problem‘. (…)

Nach wie vor sind im Gottesstaat Iran öffentliche Debatten über Sexualität absolut tabu, Unterdrückung der Triebe ist die Norm, sexuelle Aufklärung wird bei Überschreitung bestimmter Grenzen gar als ‚Verführung zur Verderbtheit und Dekadenz‘ bestraft.

Es gibt zwar private und staatlich geförderte sexuelle Beratung für junge Paare vor der Hochzeit, doch diese beschränkt sich hauptsächlich auf den sexuellen Akt in der Hochzeitsnacht und die Verhütung. (…)

Die Regierenden betrachten die Kontrolle der gesellschaftlichen Moral als eine ihrer Hauptaufgaben. Der Staat gibt Millionen für eine Zensurbehörde aus, die darauf achtet, dass ‚sexuell erregende Begriffe‘ – dazu gehören etwa Busen, Schenkel, rote Lippen, Schamhaare – weder in den Schulbüchern noch in künstlerischen und literarischen Werken auftauchen. (…)

Doch nicht nur im Iran, auch unter den AuslandsiranerInnen gibt es keinen öffentlichen Diskurs über Sexualität. Die vier bis sechs Millionen IranerInnen in der Diaspora haben bisher keine nennenswerten Schritte im Dienste der sexuellen Aufklärung im Iran unternommen. (…)

Doch immerhin ein kleiner Teil der ExilantInnen verhält sich gegenüber den Moralvorstellungen der iranischen Gesellschaft kritisch und kämpft aus der Ferne für die Veränderung ‚der überkommenen Weltanschauung‘. Diese ‚Querulanten‘ sind über die ganze Welt verteilt und stehen miteinander auch kaum in Verbindung. Dennoch beginnen, ihre Aktivitäten zu fruchten.“ (Shahrzad Osterer/Farhad Payar: „‚Sexueller Putsch‘ im Gottesstaat“)‘

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