Die Folgen der Energiekrise im Gazastreifen

„Als hätten die Bewohner der Gazastreifens es nicht schwer genug, ist nun das Baden im Meer – dem einzigen Ort, an dem sie der Hitze und ihrem Leiden entkommen können – von den Behörden in Gaza City wegen der gravierenden Umweltverschmutzung der Strände weitgehend untersagt worden. Da die Klärwerke wegen der anhaltenden Energiekrise ihre Arbeit eingestellt haben, fließen die Abwässer seit einiger Zeit ungereinigt ins Meer. ‚Der einzige Ort, an dem wir uns vergnügen können, ist uns nun auch verschlossen’, sagte T., ein Bewohner von Gaza City in einem Telefoninterview. ‚Es gibt einige Strände im Norden des Gazastreifens, wo man noch schwimmen kann, aber die sind weit weg. Wo sollen wir also hin? Es gibt keinen Lohn, keine Energie, und keinen Strand. Wir schwimmen in der Scheiße’, fügte er hinzu und lachte dabei verbittert.

Von Schadenfreude über das Leiden der Bewohner des Gazastreifens kann man Israelis, sollten sie dazu neigen, nur abraten. Angesichts der Strömungen im Mittelmeer könnten die Abwässer aus dem Gazastreifen ohne Weiteres ihren Weg an die Strände von Ashkelon, Ashdod und andernorts weiter nördlich finden. T. sagte, die Verzweiflung nehme täglich zu. ‚Im Moment ist der Fastenmonat Ramadan. In manchen Jahren war in den Straßen jede Nacht ein ständiges Kommen und Gehen, so wie in Ramallah.’ Zwar drängten die jungen Bewohner des Gazastreifens auch diese Jahr in die Cafés, doch hätten ‚die Leute kein Geld, um einzukaufen’, so T. ‚Es gibt keine Gewalt und die Lage ist relativ ruhig, aber es würde mich keineswegs überraschen, wenn die Menschen eines Tages in ihrer Verzweiflung zum Grenzübergang Erez losmarschieren.’ Innerhalb der Hamas ist ein möglicher Marsch zum israelischen Grenzzaun auch diskutiert worden. Die Terrorgruppe hielt am Freitag einen sogenannten Tag des Zorns ab und erklärte, er werde in diese Woche hinein fortgesetzt und in diesem Rahmen würden Bewohner des Gazastreifens zum Zaun marschieren. Der Hamas geht es darum, die Verärgerung der Öffentlichkeit auf Israel zu lenken. Zugleich soll den Israelis signalisiert werden, dass die Lage sich verschlechtern und zum offenen Konflikt führen könnte, wenn die Energiekrise nicht bald gelöst wird.“ (Avi Issacharoff: „With an army of 27,000, Hamas terror chief Deif readies Gaza for war“)

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