Die „alternativen Fakten“ der Palästinensischen Autonomiebehörde

„Wie können wir die jüngste Krise um den Tempelberg in Jerusalem erklären? Sie begann am 14. Juli, als Terroristen mit Waffen, die zuvor in die Al-Aqsa-Moschee geschmuggelt worden waren, aus der sogenannten ‚drittheiligsten Stätte des Islam’ heraus zwei israelische Wachleute töteten. Mitnichten mit jemandes Unterdrückung befasst, hatte zumindest einer der beiden Wachleute (beide israelische Drusen, also Araber) den Angreifern den Rücken zugekehrt, denn sie waren dabei, die Muslime in der Moschee zu beschützen. Doch als die von dieser schrecklichen Gewalttat unmittelbar am Tempelberg zutiefst erschütterte israelische Regierung Metalldetektoren installierte, um weitere Morde zu verhindern, stand plötzlich ausgerechnet Israel im Mittelpunkt der Kritik. Der Redakteur der zentristischen Zeitung Times of Israel David Horovitz formulierte es so: ‚Plump ausgedrückt … haben Araber an einer heiligen Stätte Araber getötet, die Juden versuchen sicherzustellen, dass sich das nicht wiederholt, und die arabische Welt zürnt deswegen den Juden.’ Dieser fehlgeleitete Zorn bleibt unverständlich, wenn man neben den Tatsachen – dass Israel in Jerusalem seit mehr als 50 Jahren den Zugang der drei großen Religionen zu den heiligen Stätten schützt und keinerlei Absicht hat, am Status des Tempelbergs, auf dem die Al-Aqsa-Moschee sich befindet, etwas zu ändern – nicht auch die in Umlauf befindlichen ‚alternativen Fakten’ berücksichtigt. Etwa die langjährige und abwegige Behauptung eines teuflischen jüdischen Komplotts zur Zerstörung der al-Aqsa-Moschee.

Nur im  grellen Licht derartiger ‚alternativer Fakten’ konnte die Installation von Metalldetektoren nach einem Doppelmord – also die Einführung von Maßnahmen, auf die man sich übrigens in Mekka und an der Westlichen Tempelmauer schon seit Jahren verlässt – einen solchen Aufschrei verursachen. ‚Allah, befreie unsere Moschee von dem Besatzer-Abschaum’, zeterte die Facebookseite der Fatah. Die offizielle Tageszeitung der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) Al-Hayat Al-Jadida zitierte den Ministerpräsidenten der PA Rami Hamdallah, der sich scharf gegen einen ‚israelischen Plan’ wandte,der sich unmittelbar gegen die Identität, die Tradition und den Glauben der Palästinenser in Jerusalem richtet’. Die Bezirksgouverneurin von Rammalah und El-Bireh Laila Ghannam flehte online: ‚Oh Allah, Herr des Universums, wir bitten Dich, Jerusalem und die Al-Aqsa-Moschee vor Übel zu bewahren … Gewähre uns das Gebet der Eroberer, oder den Märtyrertod (Shahada) als dessen Vorstufe.’

Verschwörungstheorien und Hysterie spielen im Zusammenhang mit der al-Aqsa-Moschee seit den 1920er Jahren eine erhebliche Rolle. Heute ist der ‚Chefverhetzer’ (um den ehemaligen israelischen Verteidigungsminister Moshe Arens zu zitieren) Sheikh Raed Saleh – der Anführer des nördlichen Ablegers des Islamic Movement. Auch 2016, wie in jedem Jahr, warnte Saleh, die ‚al-Aqsa-Moschee ist in Gefahr’, denn ‚die Besatzung … nimmt unter der al-Aqsa-Moschee Grabungen vor’. Überirdisch, so Saleh, betrieben die Israelis ‚eine tägliche jüdische Erstürmung der Moschee, die Vertreibung junger Muslime, die zum Schutz der Moschee auf dem Tempelberg stationiert sind, sowie Propaganda, mittels derer Israel seine Souveränität über den Tempelberg durchsetzen will’. (…) Es schadet allen beteiligten Parteien, wenn man es diesen dämonisierenden Darstellungen gestattet, sich festzusetzen. Seit dem Anschlag vom 14. Juli sind sechs Palästinenser und fünf Israelis sowie die drei Bewohner der israelisch-arabischen Stadt Umm al-Fahm, die den Anschlag verübten, gestorben.“ (Alan Johnson: „When ‚Alternative Facts‘ Kill“)

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