Der moralische Rammbock des Friedensnobelpreiskomitees

By Henry Mühlpfordt, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=12049664

„Zwar wünschen wir uns alle eine Welt ohne Krieg, Armut und Umweltverschmutzung, aber ein vom guten Willen vernebelter Blick allein ist noch kein Garant für eine kluge Politik. Entsprechend muss auch die Preisvergabe verstanden werden, die offensichtlich als Antwort auf die wachsenden Spannungen zwischen den USA und Nordkorea gedacht war. Populär ist das allemal, den Boden eines zielführenden Pragmatismus verlässt das Nobelkomitee jedoch mit seiner Aufforderung an die Atommächte dieser Welt, sie mögen zügig in ‚ernsthafte Gespräche‘ zur nuklearen Abrüstung ein- und so bald wie möglich dem Atomwaffenverbotsvertrag der UNO beitreten, der unter völlig berechtigtem Desinteresse der Öffentlichkeit bei der jüngst zu Ende gegangenen Generalversammlung von seinen 53 Signaturstaaten unterzeichnet wurde. Darunter, kein Witz, der Iran. (…)

[D]as Osloer Nobelkomitee setzt inzwischen schon seit geraumer Zeit auf den moralischen Rammbock bei der Vergabe seines Preises – Barack Obama (2009) kann hiervon ein Liedchen singen, und Ähnliches gilt für die EU (2012) und die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (2013). Schon damals zeigte sich, dass ein Nobelpreis in Verbindung mit dem Willen zu einer waffenfreien Welt nicht genügten, um eine solche auch herbeizuführen: Die unter Aufsicht der OPCW zerstörten syrischen Chemiewaffen etwa schlugen im Frühjahr 2017 voll funktionsfähig wieder auf syrischen Marktplätzen ein, ohne dass eine Intervention des Nobelkomitees bekannt geworden wäre. Hoffnungen, Oslo könnte mit den Preisvergaben an das Nationale Dialogquartett Tunesiens und den kolumbianischen Präsidenten Santos zuletzt wieder zu einer pragmatischeren Linie zurückgefunden haben, dürfen heute offiziell aufgegeben werden; es handelte sich offensichtlich doch nur um Betriebsunfälle. Was bleibt? Dankbarkeit immerhin, dass niemand auf die ultimative Schnapsidee verfallen ist, die Außenminister der EU und des Irans, Federica Mogherini und Mohammad Zarif, für ihr herausragendes Verhandlungsgeschick auf dem Weg zum iranischen Atomdeal zu würdigen. Anstatt so den Enablern des iranischen Terrors im Nahen Osten Alfred Nobels Friedenspreis in die Hand zu drücken, bekommt ihn nun stattdessen eine Organisation, die telegene Friedenssymbolik tatsächlicher Friedenssicherung vorzieht. Ein schwacher Trost.“ (Richard Volkmann: „Ein geringer Preis“)

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