Der „moderate“ iranische Präsident und der Hass auf Israel

Als Hassan Rohani im Frühsommer zum neuen iranischen Präsidenten gewählt wurde, war in westlichen Medien ein deutliches Aufatmen zu verspüren: Mit dem Ende der Ära Achmadinejad und dem Amtsantritt des angeblich „moderaten“ Rohani werde sich vieles ändern, vor allem aber in einem Punkt werde ein deutlicher Bruch zu bemerken sein: Mit den ständigen anti-israelischen Hasstiraden aus Teheran werde Schluss sein – eine Einschätzung, die den Stellenwert des Hasses auf Israel für das iranische Regime gefährlich unterschätzt.

Erst vorgestern wetterte Hassan Rohani bei einem Treffen mit dem libanesischen Parlamentspräsidenten gegen das „künstliche Regime von Israel“, dessen Schaffung durch die Kolonialmächte zu einer „Verdoppelung der Probleme“ im Nahen Osten geführt habe. „Über die vergangenen 65 Jahre“, so der Präsident, der dem weit verbreiteten Wunschdenken zufolge so ganz anders sei als sein verbal-rabiater Vorgänger, „kann der Fußabdruck der Zionisten in jeder Plage und jedem Problem der Region aufgespürt werden.“ Der einzige Weg zur „Rettung der Region“ bestehe in der „Einheit und Solidarität“ der Völker des Nahen Ostens. Den jüngsten Selbstmordanschlag auf die iranische Botschaft im Libanon, zu dem sich eine al-Qaida-nahe Gruppe bekannte, bezeichnete er als Versuch, die „anti-israelische Widerstandsfront“ zu schwächen.

Rohanis öffentliches Bekenntnis zu einer Form des Erlösungs-Antisemitismus – „Rettung“ der Region durch Schaffung einer einheitlichen Front gegen den jüdischen Staat, der samt und sonders für alle Übel des Nahen Ostens verantwortlich sei – wurde von den Medien hierzulande weitgehend ignoriert: In den Printausgaben der Zeitungen fand sich kein Wort darüber, ebenso wenig in den Nachrichtensendungen des ORF; einzig der Online-Standard veröffentlichte eine APA-Meldung über die hasserfüllten Verschwörungstheorien Rohanis.

Dass die Hetze des iranischen Präsidenten gegen Israel sich kaum von der seines Vorgängers unterscheidet, will sich so gar nicht in das Bild einfügen, das im Westen von dem vielfach zum „Hoffnungsträger“ geadelten Rohani gezeichnet wird. Übersehen wird, dass es gerade der Hass auf Israel ist, der die verschiedenen Flügel des iranischen Regimes, von den „Hardlinern“ bis zu den „Reformern“, eint. Dafür verantwortlich sind nicht zuletzt handfeste strategische Gründe.

Die Islamische Republik ist in ihrem Kampf um regionale Vorherrschaft mit zwei fundamentalen Problemen konfrontiert: Der Iran ist ein mehrheitlich persisches Land, in dem eine schiitisch-islamistische Diktatur herrscht. Beides hat zur Folge, dass seiner Attraktivität im ansonsten zum überwiegenden Teil sunnitisch-arabisch geprägten Nahen Osten enge Grenzen gesetzt sind – es ist alles andere als ein Zufall, dass es sich bei seinen engsten Verbündeten um die schiitische Hisbollah im Libanon sowie um das ebenfalls von Nicht-Sunniten getragene Assad-Regime in Syrien handelt. Dem persisch-schiitischen Iran stehen nur wenige Möglichkeiten offen, um in seinem mehrheitlich arabisch-sunnitischen regionalen Umfeld zu punkten. Deshalb kommt dem Kampf gegen Israel so große Bedeutung zu: Neben einer allgemeinen Ablehnung des Westens ist der Hass auf den jüdischen Staat das zentrale Thema, bei dem der Iran sich Hoffnungen machen kann, die sowohl ethnischen wie religiösen Gräben zu überwinden, die einer Ausweitung seines Einflusses im Wege stehen.

Beim Hass auf den jüdischen Staat handelt es sich deshalb nicht um den bloßen Spleen dieses oder jenen Vertreters des iranischen Regimes, als der er oftmals verniedlicht wird. Nach dem Genfer Deal im Atomstreit, der vom iranischen Regime nicht zu Unrecht als Aufwertung und Stärkung seiner Position gesehen wird, ist davon auszugehen, dass dem Kampf gegen Israel wegen seiner strategischen Bedeutung für das iranische Regime wieder ein größerer Stellenwert zukommen wird.


Schreiben Sie einen Kommentar

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.


Login